Wirtschaft : Berliner Börse und Nasdaq gemeinsam gegen Frankfurt

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Die Berliner Börse und die Nasdaq Europe haben eine strategische Allianz vereinbart. Durch die Verbindung wird die Liquidität beider Handelsplätze gebündelt. Damit könnten Anleger künftig auf bessere Preise hoffen, versprachen die neuen Partner am Mittwoch in Berlin und London. Starten soll dieses Modell im kommenden Frühjahr mit 230 deutschen und internationalen Werten. Langfristig will Berlin das Nasdaq-Handelssystem ETS einführen. Unterlegt wird die Allianz mit einer wechselseitigen Beteiligung in der Größenordnung von 10 Prozent.

Beide Partner wollen mit dem Bündnis mehr Handel auf ihre Systeme ziehen. Die Nasdaq hatte ihre Europa-Expansion im Frühling mit der Übernahme der Brüsseler Easdaq-Börse gestartet, verzeichnet bisher aber nur äußerst spärliche Umsätze. Mit Berlin erhalte die Nasdaq nunmehr "den vollständigen Zugang zum deutschen Markt", sagte der für Auslandsgeschäfte der US-Börse zuständige John Hilley. Umgekehrt will sich die Berliner Börse, die wie alle deutschen Parkettbörsen unter dem Vordringen des Computersystems Xetra leidet, mit der Partnerschaft mehr Aufmerksamkeit bei Anlegern verschaffen, nachdem die Pläne für eine enge Kooperation mit dem Online-Broker Consors im Sande verliefen. "Berlin ist jetzt der erste deutsche Wertpapiermarkt mit internationaler Anbindung", betont Börsenvorstand Jörg Walter.

Den Clou ihres Modells sehen beide Seiten in der Verbindung der unterschiedlichen Marktmodelle. Anleger erhielten so bessere Preise, hieß es in Berlin. Für den Handel wird ein neues Segment "Nasdaq Europe" an der Berliner Börse eingerichtet. Zunächst werden 130 amerikanische Aktien, die 50 Titel des Euro Stoxx sowie die 50 Mitglieder des Nemax 50 gehandelt. Als Skontroführer werden zunächst vier Makler fungieren: Baader, Berliner Effekten, BSM und MWB.

In einem zweiten Schritt soll dann das Handelssystem der Nasdaq Europe (ETS) an der Berliner Börse eingeführt werden. Dadurch würde die Nasdq Europe direkt mit Xontro verbunden, dem Orderleistsystem der deutschen Präsenzbörsen. Dann könnten alle deutschen Banken an der Nasdaq handeln, ohne neue EDV-Systeme installieren zu müssen. Wann dies geschehen soll, konnten die Partner allerdings noch nicht sagen. Um die Allianz zu untermauern, zieht Nasdaq-Europe-CEO Michael Sanderson in den Aufsichtsrat der Berliner Börse ein. Jörg Franke, Aufsichtsrat der Berliner Börse, sitzt künftig im Board der Nasdaq Europe.

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