Wirtschaft : Berliner Börsen-Spekulanten

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Von Daniel RheePiening

Die Gründung der Nasdaq Deutschland zusammen mit der Nasdaq Europe, der Bremer Börse und einigen Banken hätte kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können: Die Deutschen haben die Nase voll von Risikoaktien. Deshalb wurde just an dem Tag, an dem die Nasdaq Deutschland in Berlin und Bremen startete, in Frankfurt der Neue Markt ohne großes Aufsehen beerdigt. Es wird sehr schwer werden, nennenswerte Umsätze für Berlin zu gewinnen. Das Beispiel des Partners Nasdaq Europe wirkt eher abschreckend. Auch diese Börse ist mit großem Elan gestartet, die Ziele wurden bis heute nicht erreicht. Wer jetzt in Deutschland einen neuen Markt für Risikokapital aufmacht, muss Optimist sein – oder ziemlich verzweifelt.

Commerzbank und Dresdner Bank, die beiden anderen Anteilseigner, haben viel zu tun – mit Aufräumarbeiten im eigenen Haus. Ob da noch viel Energie bleibt für den Aufbau einer neuen Börse? Comdirect, Consors und Citibank sind Namen, die Hoffnung machen, aber sie reichen nicht aus, um die Nasdaq Deutschland mit Anlegern zu füttern. Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, weitere namhafte Institute an die Börse zu binden. Die Genossenschaftsbanken halten sich auffällig zurück, die Deutsche Bank verfolgt auch an der Frankfurter Börse vorrangig eigene Ziele. Und wie ist es schließlich zu werten, dass zum Start nur amerikanische Titel gehandelt werden, die deutschen Aktien erst in den kommenden zwei Wochen hinzukommen sollen? Die Vorbereitung hätte gewissenhafter verlaufen können, um diese Blamage zum Start zu vermeiden.

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