Wirtschaft : Berliner City-Logistik kommt nicht voran

Verband der Spediteure beklagt fehlende Wirtschaftlichkeit / Erste Investoren für Güterverkehrszentren

BERLIN (mot).City-Logistik-Konzepte werden den Berliner Straßen-Güterverkehr nach Einschätzung der Speditionsunternehmen erst in einigen Jahren entlasten.Der mit viel Euphorie 1993 gestartete Versuch einiger namhafter Speditionen, bei der Belieferung innerstädtischer Kunden Verkehr zu bündeln und damit zu reduzieren, sei bislang wegen fehlender finanzieller Anreize für die Beteiligten auf halber Strecke steêkengeblieben, erklärte der Verband der Spediteure Berlin und Brandenburg (VSB) am Donnerstag auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin.Derzeit gebe es nur noch eine City-Logistik-Kooperation von 13 Spediteuren bei der Belieferung des Metro-Großmarktes im Süden Berlins, die zu einer 60prozentigen Reduzierung des Lieferverkehrs geführt habe."Im übrigen halten sich die Spediteure in Warteposition", sagte VSB-Vorsitzender Rainer Welz.Zwar seien die Pilotversuche im Bezirk Neukölln (Karl-Marx-Straße/Hermannstraße/Sonnenallee) in einer ersten Stufe erfolgreich verlaufen, bei der Belieferung ganzer Stadteile sei aber "trotz des guten Willens der Spediteure kein wirtschaftlicher Nutzen für die Beteiligten" gefunden worden.Gescheitert sei das City-Logistik-Konzept gleichwohl nicht.Wirtschaftlich könne die Kooperation aber erst dann funktionieren, wenn eine ausreichende Zahl von Spediteuren in den Güterverkehrszentren (GVZ) in Großbeeren und Wustermark vor den Toren Berlins angesiedelt sei.Von dort aus soll in Zukunft der Lieferverkehr für Berlin und Brandenburg auf der Straße, der Schiene und dem Wasser gebündelt und an City-Logistik-Netze angeschlossen werden. Der Aufbau des GVZ Großbeeren ist laut VSB-Vorstand Welz "nach langer Dürrezeit auf einem guten Weg".Inzwischen seien 16 Investoren vor Ort aktiv und mehr als ein Drittel der Fläche vermarktet.Vier Speditionsanlagen seien fertiggestellt.Im Bau befinde sich unter anderem ein Logistikzentrum des Handels.Im Sommer 1998 werde zudem die Deutsche Bahn AG die Umschlaganlage für den kombinierten Ladungsverkehr auf Schiene und Straße (KLV) in Betrieb nehmen."Die Bahn könnte allerdings ein noch aktiverer Partner sein", sagte Welz.Vor allem im GVZ Wustermark spiele die Bahn offenbar auf Zeit, um die Wirtschaftlicheit des Logistikstützpunktes in Frage zu stellen, so VSB-Geschäftsführer Gerhard Ostwald.Die Finanzierung der dortigen KLV-Anlage sei noch offen, "weil sich die Gesellschaften der Bahn gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben".Zudem müsse die Bahn den Spediteuren Auskunft über die Zugverbindungen des kommenden Jahres geben, damit die Unternehmen ihren Kunden verläßliche "Logistik-Pakete" anbieten könnten.Im GVZ Wustermark befinden sich laut VSB bislang vier Speditionsanlagen im Bau, ein Investor habe sich bis heute angesiedelt. Die im VSB zusammengeschlossenen 160 Spediteure hoffen, in diesem Jahr die Talsohle der Konjunktur durchfahren zu haben und von der besseren Auftragslage der Unternehmen zu profitieren.Gleichwohl bleibe die Branche als "Spiegel der allgemeinen wirtschaftlichen Lage" in einer "instabilen Situation", sagte Verbands-Vorsitzender Welz.Im vergangenen Jahr sei die Pleite-Welle etwas zur Ruhe gekommen, ein Ende der Insolvenzen sei aber noch nicht in Sicht, so Geschäftsführer Ostwald.34 Speditionsfirmen hätten in den letzten sechs Jahren Konkurs angemeldet oder den Standort Berlin aufgegeben.Die Verbandsmitglieder beschäftigen insgesamt 15 000 Mitarbeiter. Als besonderen Erfolg wertete Welz die Schaffung eines Ausbildungsverbundes mit 18 Verbandsbetrieben.So hätten im laufenden Ausbildungsjahr acht Azubis die Möglichkeit, ihre Lehre zum Speditionskaufmann in allen Sparten des Speditions- und Transportgewerbes bei unterschiedlichen Unternehmen zu absolvieren.Insgesamt zählen die Verbandsfirmen rund 300 Auszubildende.

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