Berliner Dienstleister : Dussmann verdient – wenn andere sparen

Berliner Dienstleister zieht positive Bilanz für 2009. Der Druck auf die öffentlichen Haushalte werde in Zukunft dazu führen, dass weitere Dienstleistungen in öffentlichen Einrichtungen privatisiert würden.

Malte Conradi
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Foto: promoKay Herschelmann

Berlin - Man sitzt einem Krisengewinnler gegenüber. Für die Dussmann- Gruppe sei der vom Bund für die kommenden Jahre angekündigte Sparkurs eine sehr erfreuliche Entwicklung, sagte ihr Vorstandsvorsitzender Thomas Greiner am Mittwoch in Berlin. Der Druck auf die öffentlichen Haushalte werde dazu führen, dass weitere Dienstleistungen in öffentlichen Einrichtungen privatisiert würden. Auf das Geschäft mit dem Putzen und Kochen in Gefängnissen etwa haben die Berliner ein Auge geworfen.

Dussmann spürt die Wirtschaftskrise kaum. Das Ergebnis sei „im zweistelligen Prozentbereich gewachsen“, der Umsatz dagegen nur moderat, sagte Greiner. Genaue Zahlen nannte er nicht. Auch künftig solle aber „die Rendite überproportional zum Umsatz wachsen“. Vor allem in Osteuropa fehle der öffentlichen Hand zur Zeit für viele gemeinsame Projekte, etwa in der Seniorenbetreuung, das Geld. Dennoch sei 2009 „vor dem Hintergrund der Krise für Dussmann ein sehr gutes Jahr“ gewesen, sagte Greiner.

Auch in den kommenden Jahren will das Unternehmen, das sich selbst als Multidienstleister bezeichnet, in seinen wichtigsten Unternehmensbereichen wachsen – dem Betreuen und der Pflege von Senioren sowie in der Gebäudebewirtschaftung und -verwaltung. In beiden Bereichen ist Dussmann nach eigenen Angaben Marktführer unter den privaten Anbietern in Deutschland. Auch in der Schulverpflegung sieht Greiner einen Wachstumsmarkt. Insgesamt peilt er bis 2012 ein Umsatzwachstum ohne Firmenzukäufe um 320 Millionen Euro an. 2008 erwirtschaftete die Dussmann-Gruppe einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro.

Allein in den vergangenen drei Monaten seien im Gebäudemanagement Aufträge im Volumen von 100 Millionen Euro hinzugekommen. Viele davon in Italien. So arbeiten Dussmann-Mitarbeiter inzwischen für die italienische Bahn, für die Polizei in Calabrien und Sizilien, für die Armee sowie in Schulen. Damit ist Italien zum wichtigsten Auslandsmarkt geworden. 10 500 von weltweit 53 000 Dussmann-Beschäftigten arbeiten dort. Die Heimatregion Berlin-Brandenburg, in der 5500 Mitarbeiter beschäftigt sind, habe sich in diesem Jahr konstant entwickelt, sagte Greiner. Ein wichtiger Erfolg sei gewesen, dass Dussmann auch in den kommenden Jahren für die Verpflegung im Bundestag und allen Abgeordneten- und Mitarbeiterbüros sorgen wird.

Das Weihnachtsgeschäft im Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße sei bislang „sehr erfreulich verlaufen“ und liege um fünf Prozent über dem Vorjahr. „Diese Zahl spiegelt auch die Entwicklung des Gesamtjahres 2009“, sagte der Dussmann-Chef. Obwohl das Kulturkaufhaus schneller als die gesamte Unternehmensgruppe wachse, schloss Greiner die Eröffnung weiterer Filialen aus. Die Rendite in den anderen Unternehmensbereichen, insbesondere der Seniorenbetreuung, sei einfach höher.Malte Conradi

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