Berliner Diplomat fährt E-Auto : Elektrischer Dienstweg

Seit dem heutigen Mittwoch (23. Februar) bewegt sich der britische Botschafter in Deutschland in einem Elektroauto durch Berlin. Hersteller BMW plant indes eine umfassende Carsharing-Offensive mit den E-Fahrzeugen.

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Neuer Anschluss. BMW will seine künftigen E-Autos nicht nur verkaufen.
Neuer Anschluss. BMW will seine künftigen E-Autos nicht nur verkaufen.Foto: dapd

Simon McDonald gibt nicht mehr Gas, sondern Strom. Der britische Botschafter in Deutschland ist künftig in einem elektrischen Mini E auf den Hauptstadtstraßen unterwegs. BMW übergibt das batteriebetriebene Dienstfahrzeug am heutigen Mittwoch an McDonald – „den ersten Botschafter, der elektrisch fährt“, wie es in der Einladung heißt.

Für den Vertrieb seiner Elektroautos, die künftig als Submarke unter dem Label „BMW i“ vermarktet werden, hat BMW besondere Pläne – nicht nur im diplomatischen Dienstverkehr. Die am Montagabend in München präsentierte Vision, E-Autos nicht mehr zu verkaufen, sondern in einem Carsharing-Modell mit intelligenten Navigationssystemen unters Volk zu bringen, könnte auch für Berlin interessant werden. Nach ersten Tests in den USA soll es dem Vernehmen nach auch in Berlin eingeführt werden. Anders als in Städten wie Hamburg oder Ulm gibt es an der Spree bislang nur kleine Carsharing-Tests mit Elektrofahrzeugen.

So können etwa Bahn-Kunden im Rahmen des Berliner Forschungsprojekts BeMobility auch Elektro- und Hybridautos im Carsharing des Schienenkonzerns testen. Dazu wurden entsprechende Modelle in die „Flinkster“-Flotte aufgenommen. Auch beim Peugeot-Carsharing „Mu by Peugeot“ sollen Berliner Kunden elektrisch Auto fahren können. Neben E-Fahrrädern und dem E-Scooter „E-Vivacity“ will der französische Hersteller den Elektrokleinwagen iOn vermieten.

BMW hat wenig Erfahrung in der Autovermietung. In München hat der Konzern im Oktober das Pilotprojekt „BMW on Demand“ für zwölf Monate gestartet. Dabei können Fahrzeuge aus der aktuellen Modellpalette auch für kurze Zeit genutzt werden. Mini ist mit seinen E-Autos nicht eingebunden. Ist „BMW on Demand“ erfolgreich, soll es auf weitere Standorte, zunächst in München, ausgeweitet werden.

Vorbild für das BMW-Vertriebsmodell für das elektrische Kohlefaserauto könnte das von Daimler in Ulm betriebene Carsharing-Projekt „Car2go“ mit Smarts sein, das die Stuttgarter auch in Hamburg zusammen mit dem Autovermieter Europcar einführen werden. Hintergrund für den Vorstoß von BMW sind die hohen Batterie- und Materialkosten, die den Verkaufspreis für das E-Auto nach oben treiben und somit einer Refinanzierung der Entwicklungskosten im Wege stehen.

Nach den Großversuchen mit dem Mini E in Berlin und anderen Städten, bietet BMW im Verlauf dieses Jahres in einem ähnlichen Praxistest den viersitzigen Active E auf der Basis des 1er-Modells an. „Wir produzieren in Leipzig dieses Jahr 1000 Fahrzeuge des Active E, die in einer Testflotte weltweit unterwegs sein werden“, sagte BMW-Deutschland-Chef Karsten Engel dem Tagesspiegel. Fahren sollen die E-Autos in den USA, in den Niederlanden, der Schweiz und in China. „Aber auch in Deutschland und hier in Berlin.“ Der Vergabeprozess laufe in den kommenden Wochen an, im Juli werde der erste BMW Active E an einen Kunden in Deutschland ausgeliefert.

Details zum neuen Carsharing- und Mobilitätskonzept „Project i“ lässt sich BMW derzeit nicht entlocken. Mehr will der Autobauer auf dem Genfer Autosalon bekannt geben, der in der kommenden Woche beginnt.

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