Berliner Einzelhandel : Das Eis ist heiß

Wer im Winter Eis verkaufen will, muss ein zur Saison passendes Sortiment haben – oder mit einem Zwischenmieter die umsatzschwachen Monate überbrücken.

Sabine Hölper
Im Winter gehen Eis-Sorten wie Pflaume-Zimt besonders gut.
Im Winter gehen Eis-Sorten wie Pflaume-Zimt besonders gut.Foto: Kitty-Kleist-Heinrich

Es ist ein kalter Januarnachmittag in Berlin. Der Wind bläst den Menschen unangenehm ins Gesicht, sie ziehen die Krägen ihrer Mäntel hoch und die Schultern gleich mit. Trotz des frostigen Wetters ist die Caramello-Filiale in der Hufelandstraße gut besucht. Das Caramello ist ein Eiscafé!

Eis essen im Winter? Ist in Berlin kein Problem. Viele Eisdielen in der Hauptstadt haben ganzjährig geöffnet. „Eisbärliner halten keinen Winterschlaf“ sagt etwa Patrick Dinger, Inhaber des gleichnamigen Eiscafés in der Gärtnerstraße. Zwar gibt es in der Friedrichshainer Eisdiele in den Wintermonaten nur ein „kleineres Programm“ mit Klassikern wie Schokolade oder Vanille. Dafür bekommt man in der kalten Jahreszeit auch Winter-Sorten: Gebrannte Mandel oder Pflaume-Zimt. Die Besitzer der Eisdielen wissen, dass sie sich etwas einfallen lassen müssen, um im Winter Kunden anzulocken. Mit Zitrone oder Mango-Eis wäre das schwieriger.

Viele Produkte sind Saisonware. Glühwein oder Lebkuchen sind vor allem vor Weihnachten beliebt. Aber das sind nur zwei von vielen Angeboten. Die werden im Sommer von der Karte genommen. Und fertig. Eisdielen aber – zumindest die klassischen – verkaufen nur Eis. Da stellt sich die Frage, wie man die kalten Monate überbrückt. Die meisten italienischen Eisdielenbesitzer haben ihre Antwort darauf gefunden: Im Herbst reisen sie in die Heimat. Im Frühling kommen sie zurück nach Deutschland und öffnen ihre Eiscafés.

Eisdielenbesitzer wie Patrick Dinger können sich eine so lange Auszeit nicht leisten. Sie verdienen im Sommer nicht genug, um im Winter auf Einnahmen zu verzichten. „Die Eisdielendichte rund um den Boxhagener Platz ist einfach wahnsinnig hoch“, sagt Dinger. Außerdem stellt der Eisbärliner das Eis nicht her, so dass die „Margen nicht so groß sind“. Den Winter über zu öffnen, ist für Dinger eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Obwohl er zwischen November und Februar höchstens ein Drittel des regulären Umsatzes macht, rechnet sich das Geschäft: Die Einnahmen reichen aus, um die Miete und das Personal zu bezahlen.

Ähnlich ist Carsten Andörfers Kalkulation. „Mein Traum wäre es, fünf Monate im Jahr nach Australien zu gehen“, sagt der Inhaber von „Fräulein Frost“ in Neukölln. Die Eisdiele werfe im Sommer aber noch nicht genug ab, um sie so lange zuzusperren. Deshalb gibt es bei Fräulein Frost auch im Winter Eis. Erweitert wird das Angebot mit Waffeln und Kuchen. Außerdem veranstalten Andörfer und seine Mitinhaberin Charlotte Pauli Lesungen und Musikveranstaltungen. In diesem Jahr bleibt der Laden in der Friedelstraße im Winter ausnahmsweise zu, weil er umgebaut und vergrößert wird. Auch, um mehr Platz für Veranstaltungen zu schaffen. 


Ein ausreichend großer Innenraum mit genügend Sitzgelegenheiten ist das A und O, wenn Eisdielen im Winter Umsatz machen wollen. Denn die Kunden essen ihre Eiswaffeln bei minus fünf Grad kaum vor der Tür. Und: Man muss Zusatzangebote offerieren, um Umsatz zu generieren. Im Eisbärliner stehen deshalb selbst gemachte Suppen auf der Karte, im Caramello gibt es deftige und süße Pizzen. Vor allem aber setzt Inhaber Yücel Öc auf das Trendgetränk Bubble-Tea und Milchshakes, die mit Eis und Bubbles gefüllt sind. „Das wird sehr gut angenommen“, freut sich Öc. Beim Eis sind vor allem Wintersorten wie Schoko-Glühwein oder Zimt-Kardamom gefragt.

Geht man ein paar Schritte weiter in Richtung Greifswalder Straße, kann man sehen, wie man es als Eisladenbesitzer im Winter auch machen kann: den Laden untervermieten. So hat es Reimar Philipps, Inhaber von „Rosa Canina“ gemacht. Zwischen November und Februar heißt der Laden „Bitterveld“, Inhaber Holger in‘t Veld bietet darin hochwertige Schokolade an und verkauft Rosa Canina-Eis im 350-ml-Becher für zu Hause. „Es ist ein Joint Venture“ beschreibt Philipps die Idee: In‘t Veld trägt den Großteil der Miete, so dass Philipps kaum Kosten entstehen. Und trotzdem bekommen Stammkunden im Winter ihr Eis.

Mehr über die Berliner Wirtschaft lesen Sie unter www.berlin-maximal.de

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