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Berliner Energiehändler : Flexstrom steht unter Druck

19.11.2012 09:43 Uhrvon
Foto: promoBild vergrößern
Sucht Halt. Robert Mundt, hier in seinem Bürohaus in Berlin-Tiergarten, besitzt mit seinem Bruder 90 Prozent von Flexstrom.

Der Berliner Energiehändler Robert Mundt kämpft gegen Gerüchte um seine Firma Flexstrom. Seine Kritiker verweisen auf die vermeintlich extrem billigen Preise - sein Geschäftsmodell erinnere an einen gescheiterten Konkurrenten.

Robert Mundt, geboren und aufgewachsen entlang der Mauer in Berlin-Kreuzberg, hat es nach oben geschafft. Ob er noch weiter aufsteigen kann oder tief fällt, könnte sich schon bald entscheiden: Der Chef und Eigentümer der Berliner Flexstrom AG sieht sich mit Gerüchten konfrontiert, seine Firma sei mehr Schein als Sein. Beweise gibt es keine. Es genügt, dass Kritiker, darunter Konkurrenten, auf seine vermeintlich extrem billigen Preise verweisen und an das Geschäftsmodell des Wettbewerbers Teldafax erinnern. Der war im Sommer 2011 Pleite gegangen und hatte 750 000 Verbraucher plötzlich zu Gläubigern gemacht.

Mundt sitzt im sechsten Stock seines gemieteten Stein-Stahl-Glas-Gebäudes am Reichpietschufer in Berlin-Tiergarten mit Blick auf den Kanal und den Hof des Bendlerblocks, in dem das Verteidigungsministerium Gelöbnisse abhält.

Wenn das passiert, muss Mundt das Bürohaus räumen lassen, damit die Scharfschützen zum Schutz der Truppe auf dem Dach Stellung beziehen können.

Mundt ist gut trainiert, leicht gebräunt, hat einen festen Händedruck, trägt ein dunkles Seidensakko, keine Krawatte. Er wirkt wach und aufgeräumt. Wäre er ein Gebrauchtwagenhändler, würden die meisten Kunden ihm wohl glauben, wenn er sagt, dass ein Auto sie noch 20 Jahre lang begleiten werde. Und doch gab und gibt es Menschen, die lieber Abstand von ihm und seinen Geschäften halten.

Ganz unmittelbar bekam er das am vergangenen Dienstag auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main zu spüren, wo er sein Unternehmen vorstellte: Erstmals seit der Flexstrom-Gründung 2003 wollte er sich Geld am Kapitalmarkt leihen. Flexstrom sollte eine Anleihe begeben mit fünf Jahren Laufzeit, verzinst mit 8,25 Prozent jährlich. 35 bis 50 Millionen Euro sollte das in die Kassen bringen, was realistisch scheint angesichts von 550 Millionen Euro Umsatz und 20 Millionen Euro Gewinn, die er für das laufende Geschäftsjahr anpeilt.

Am heutigen Montag sollte die Zeichnungsfrist beginnen. Sollte. Mundt sagte die Aktion jetzt ab. Denn die meisten Zuhörer auf der Konferenz hatten kurz zuvor einen Bericht im „Handelsblatt“ gelesen: Mehrere Stromnetzbetreiber würden von Flexstrom Vorkasse für die Durchleitung von Strom verlangen – was sehr ungewöhnlich ist. Ein Netzbetreiber habe dies mit „diversen Unregelmäßigkeiten“ im Zahlungsverkehr, ein zweiter mit „Auffälligkeiten“ begründet.

„Ich habe auch viel Zuspruch auf der Konferenz bekommen“, sagt Mundt. „Ein alter Börsenhase versuchte, mich aufzumuntern: Kopf hoch, so etwas müssen Sie aushalten, wenn Sie an den Kapitalmarkt wollen.“ Aber jetzt will er nicht mehr. Erst einmal die Vorwürfe ausräumen.

Mundt versucht das am Beispiel Vattenfall: Auch dieser Konzern, der das Stromverteilernetz in Berlin betreibt, hatte Anfang des Jahres entschieden, dass Flexstrom als einziger von fast 300 in der Stadt aktiven Stromhändlern vorab Geld zahlen muss, bevor er Strom durch die Kabel leiten darf. Der Grund war eine Streiterei um alte Rechnungen: Mundt sagt, Vattenfall habe seiner Flexstrom eine Stromtransportrechnung über mehr als eine Million Euro geschickt, obwohl er tatsächlich nicht einmal ein Zwanzigstel der Summe, weniger als 50 000 Euro, hätte zahlen müssen. Daher habe man die Zahlung verweigert. Vattenfall behauptet, das sei unwahr – Flexstrom habe eine siebenstellige Rechnung zu zahlen gehabt, allerdings sei der Betrag weitestgehend beglichen. Daher verlange man heute auch keine Vorkasse mehr.

So ähnlich legt sich Mundt auch mit anderen Netzbetreibern an. „Große Konzerne können es sich leisten, die Rechnungen der Stromnetzbetreiber zunächst blind zu bezahlen und erst nach Monaten zu prüfen, ob diese auch stimmen. Wir sind unseren Kunden schuldig, dass wir diese Form der zinslosen Geldvergabe nicht mitmachen“, erklärt er.

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