Wirtschaft : Berliner Energieversorger: Die Zitterpartie für Veag und Bewag ist vorüber

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Berlin wird zum Sitz eines neuen Stromkonzerns. Nachdem sich die Hamburger Electricitätswerke AG (HEW), der amerikanische Konzern Mirant (vormals Southern Energy) und die Eon AG am Freitag nach monatenlangem Streit mit dem Berliner Senat darauf geeinigt haben, dass Mirant und HEW in Zukunft zu gleichen Teilen Eigentümer des Berliner Stromversorgers Bewag zu werden, ist der Weg für eine vierte deutsche Stromkraft geebnet worden. Die Weichen für diesen vom Bund, den neuen Ländern und den Kartellbehörden angesteuerten neuen Energiekonzern sind nach der Zustimmung des Landes Berlin unwiderruflich gestellt. Die Aktienmehrheit des neuen Konzerns wird beim schwedischen Staatskonzern Vattenfall liegen. Dessen Tochter HEW wird den Aufbau maßgeblich gestalten, der US-Konzern Mirant ein gewichtiges Wort mitreden.

Vattenfall-Chef Lars Josefson strebt den Aufbau einer Energiegruppe mit europäischer Ausrichtung an. Mirant will ebenfalls in Europa stark expandieren und den Stromhandel ausbauen. Wie stark die Minderheitsbeteiligung der Amerikaner ausfällt, wird sich nach der Bewertung aller einzubringenden Unternehmen zeigen.

Gebildet wird die vierte Kraft im Strommarkt aus den Hamburgischen Electricitätswerken (HEW), der Bewag, dem Braunkohleverstromer Veag (Berlin) und der Kohlegesellschaft Laubag. Sie soll mit den Großen der Branche - Eon Energie, RWE und EnBW - konkurrieren und wird jährlich 50 Terawattstunden Braunkohlestrom abnehmen. Offen ist, inwieweit auch noch die Mibrag einbezogen wird. An ihr hält der US-Konzern NRG-Energy derzeit 66,7 Prozent.

Mitte 2003 soll der neue Konzern stehen. Die Zustimmung der Wettbewerbshüter und der Treuhand-Nachfolgerin BvS zu dem nächsten Schritt, der Übernahme der Eon-Mehrheit an Veag und Laubag durch HEW, gilt nur noch als Formsache. Unklar ist allerdings, ob der Bund den Zweitverkauf durch Verzicht auf Restkaufpreisforderungen aus der Privatisierung von 1994 zu unterstützen bereit ist.

Für die Veag ist die Existenzkrise nunmehr vorbei. Der größte Stromversorger in den neuen Ländern hat 17 Milliarden Mark in modernste Braunkohlemeiler investiert. Die finanziellen Belastungen und die Öffnung des Strommarktes hatten die Veag an den Rand des Abgrunds gedrückt. Als sich nach den großen Energiefusionen die Gesellschafter Eon und RWE auf Druck der Wettbewerbshüter zurückziehen mussten, wurde die Lage für die Veag und damit die Braunkohle mit Tausenden Arbeitsplätzen dramatisch. Mit dem Durchbruch zur vierten Kraft ist das Ruder nun herumgerissen worden.

Dass die Amerikaner bei dem neuen Konzern durch Eon und HEW nicht ausgebootet wurden, haben sie neben ihrem eigenen hartnäckigen Widerstand nicht zuletzt der beharrlichen Verhandlungstaktik des Berliner Senats zu verdanken. Dieser hatte ihnen einst den Zugang zum deutschen Strommarkt eröffnet. Das Land pochte nun auf seine Rechte aus der Privatisierung der Bewag und zögerte seine dort erforderliche Zustimmung zur Änderung der Eigentümerstruktur monatelang hinaus.

Im Ergebnis kann die Bewag an Veag/Laubag einen Anteil von 43 Prozent übernehmen und erhält damit bei den Verhandlungen über die Struktur des Ost-Energiekonzern erheblichen Einfluss. Da HEW und Mirant wiederum bei der Bewag gleichberechtigt sind, kann gegen die Amerikaner wenig laufen.

Welche Strukturen sich der Konzern geben wird, kann heute noch niemand sagen. Zu viele Details müssen dazu in den kommenden Monaten noch geklärt werden. Einem seit Monaten arbeitenden Gremium zur Vorbereitung des Konzerns, dem bisher HEW und Veag/Laubag angehören, werden nun auch die Bewag und Mirant beitreten. Spannend wird nicht nur die Frage der Mitbestimmung, denn drei Gewerkschaften, IG Metall, Verdi und IGBCE, sind in den Unternehmen vertreten. Auch die Frage nach der Führung des neuen Konzerns wird noch für Zündstoff sorgen. Manfred Thimm, Chef von HEW, gilt dabei als Schlüsselfigur. Zwar geht er selbst in zwei Jahren in den Ruhestand, hat also keine langfristigen eigenen Karriereabsichten. Dennoch gilt er als wichtigster Mann bei der Bildung des Stromkonzerns und damit auch in personeller Hinsicht als "Königsmacher".

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