Wirtschaft : Berliner Finanzkrise: Das Finanzdesaster - eine Chronik

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November 2000: Der Chef der Bankgesellschaft (BGB), Wolfgang Rupf, verspricht eine stabile Dividende. Für 2000 erwartet er Wertberichtigungen von einer Milliarde Mark. Die Bauträgertochter IBG soll ausgegliedert werden.

Dezember 2000: Der Aufsichtsrat stimmt dem Verkauf der IBG-Aktivitäten für 2,1 Milliarden Mark zu. Damit sollen deren auf 1,5 Milliarden Mark geschätzte Risiken abgedeckt werden.

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Finanzkrise in Berlin Januar 2001: Der Verkauf von fünf Prozent der BGB-Aktien an die Banco Comercial Portugues (BCP) scheitert. Bei der Berlin Hyp tauchen neue Risiken aus einem 600 Millionen-Mark-Kredit an die Baufirma Aubis auf.

Februar 2001: Nach Wertberichtigungen von sieben Milliarden Mark bis 1999 stuft Rupf Kredite über fünf Milliarden Mark für die Folgejahre als "beobachtungswürdig" ein.

März 2001: Der Vorstandschef der Berlin Hyp, Klaus Landowsky, legt sein Amt nieder. Zuvor war bekannt geworden, dass er als CDU-Fraktionschef nicht verbuchte Parteispenden über 40 000 Mark von Aubis erhalten hat. Weitere vier Vorstände - darunter der Chef der LBB, Ulf-Wilhelm Decken - geben ihre Ämter ab. Rupf beziffert die Risikovorsorge 2000 auf 1,2 Milliarden Mark und den Sanierungszeitraum auf vier Jahre. Die Wertberichtigungen bei der LBB übertreffen mit gut 700 Millionen Mark die Erwartungen um das Doppelte. Die BGB-Dividende wird gestrichen. Der Verkauf des IBG-Geschäfts an eine Finanzholding auf den Cayman-Inseln scheitert. Risiken von 1,5 Milliarden Mark fallen auf den Konzern zurück.

April 2001: Rupf nennt einen Kapitalbedarf von zwei Milliarden Mark und bringt Banken oder öffentlich-rechtliche Institute als Investoren ins Gespräch. Die Sparkassen-Organisation führt "Sondierungsgespräche" mit Berlin.

Mai 2001: Der Senat beziffert den Kapitalbedarf auf "mindestens vier Milliarden Mark" und gibt eine Patronatserklärung für die BGB ab. Die Bankenaufsicht hat mit der Schließung gedroht, weil die Mindestkapitalquote unterschritten ist. Um fehlende Einnahmen aus der Bankgesellschaft Berlin und deren Kapitalbedarf zu finanzieren, plant Berlin sechs Milliarden Mark neue Kredite.

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