Wirtschaft : Berliner Firmen beklagen teures Wasser

Bei den Steuern hingegen kommen die Unternehmen der Hauptstadt laut einer IHK-Studie günstig weg

Anselm Waldermann

Berlin - Berliner Unternehmen müssen deutlich weniger Steuern zahlen als Firmen in anderen Städten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), bei der der Standort Berlin mit Hamburg, München, Potsdam und Leipzig verglichen wurde. Bei den Kosten für die Ver- und Entsorgung liegt Berlin hingegen weit vorne. Nur in Potsdam müssen die Unternehmen dafür noch mehr Geld aufbringen (siehe Tabelle). „Die Berliner Unternehmen sind einer exorbitanten Belastung ausgesetzt“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder bei der Vorstellung der Studie.

Vor allem die Wasserpreise sind in Berlin laut IHK unverhältnismäßig hoch. So muss eine durchschnittliche Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) bei einem Jahresgewinn von 175000 Euro in Berlin 10345 Euro für Trinkwasser ausgeben. In der günstigsten Vergleichsstadt, München, sind es nur 6227 Euro. In den kommenden Tagen wollen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) über eine neue Tarifgestaltung sprechen. Im Gespräch ist ein Modell, das eine Entlastung für Großabnehmer und eine Belastung für private Haushalte bedeuten würde.

Strom und Abfallentsorgung sind in Berlin hingegen günstig. So kommt die Modell-GmbH auf Stromkosten von nur 2833 Euro – das ist der niedrigste Wert unter den fünf Städten. Auch die Abfallentsorgung ist in Berlin mit 1080 Euro günstiger als in den anderen Städten. „Der hohe Gesamtaufwand in Berlin für Ver- und Entsorgung erklärt sich allein durch die hohen Wassergebühren“, erklärte Eder. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Studie auch für Unternehmen, die als Kommanditgesellschaft (KG) oder als GmbH & Co. KG firmieren.

Deutlich besser geht es den Berliner Unternehmen hingegen bei der Steuerbelastung. So muss die Muster-GmbH mit 175000 Euro Gewinn in der Hauptstadt lediglich 29670 Euro Gewerbesteuer bezahlen – der niedrigste Wert unter den Vergleichsstädten: In München sind es zum Beispiel 34320 Euro.

Allerdings: Durch die Grundsteuer, die Körperschaftsteuer und den Solidaritätszuschlag wird Berlin in der Gesamtsteuerbelastung etwas nach oben gezogen. So kommt die Modell-GmbH in Berlin (West) auf eine Grundsteuerschuld von 1143 Euro – deutlich mehr als in der nächsten Stadt, Hamburg, mit 900 Euro. In Potsdam sind es sogar nur 404 Euro. Auch die Belastung aus Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag ist in Berlin mit 38330 Euro etwas höher als in den anderen vier Städten.

Insgesamt – also nach Steuern und Gebühren – habe Berlin damit bundesweit einen „vernünftigen Stand“, sagte Eder. Dies zeige sich auch darin, dass die Stadt für ausländische Unternehmer interessanter werde. So hat sich die Zahl der IHK-Mitglieder mit ausländischem Pass seit Ende vergangenen Jahres von 20700 auf 24100 erhöht. „Das spricht deutlich für die Attraktivität der Stadt“, sagte Eder. Vom gesamten Firmenzuwachs in Berlin entfalle mittlerweile rund ein Drittel auf ausländische Unternehmer.

Vor allem polnische Unternehmer kommen nach Berlin: Hier verzeichnete die IHK ein Plus um 37 Prozent auf knapp 2000 Mitgliedsunternehmen. Sorge vor unliebsamer Konkurrenz für alteingesessene Firmen hat die IHK deshalb nicht: „Wir wollen mehr wirtschaftliche Aktivitäten in der Stadt“, sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer. „Berlin braucht zusätzliches Kapital.“ Er wehre sich dagegen, wenn polnische Unternehmer oft per se als illegal betrachtet würden.

Positive Nachrichten konnte die IHK auch vom Ausbildungsmarkt vermelden. So hätten die Mitgliedsunternehmen zum 30. Juni bereits 5,4 Prozent mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Damit stehe Berlin im Bundesvergleich gut da: Hier wurde nur ein Plus von 2,1 Prozent registriert.

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