Wirtschaft : Berliner Firmen in Rußland gefragt

Bauwirtschaft boomt / Chancen für Deutsche BERLIN (olm).Trotz immer noch ungezählter Engpässe ist der russische Markt für ausländische Investoren attraktiver geworden.Vor dem Hintergrund eines riesen Potentials an Sanierungsarbeiten und Neubauvorhaben nicht nur in den russischen Großstädten ist inzwischen insbesondere die Baubranche in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.Firmen vor Ort, die mit russischen Subunternehmern den Markteinstieg geschafft haben, warnen aber vor schnellen Erfolgen.Aufwendige Lizenzverfahren, eine nach wie vor undurchsichtige Rechtslage beim Erwerb von Grund und Boden, zu teure russische Kredite und die Zurückhaltung westlicher Banken sind nur einige der Stolpersteine auf dem Weg nach Osten. Wichtigstes Argument auch für deutsche Investoren bleibt: aus eigener Kraft ist der Aufbau der russischen Wirtschaft nicht zu schaffen.Auf einem deutsch-russischen Workshop am Rande der bautec zitierte der Berliner Messechef Manfred Busche am Mittwoch den ehemaligen Wirtschaftsminister Jasin, der das Modernisierungsprogramm seines Landes für die nächsten 15 Jahre mit rund 900 Mrd.Dollar veranschlagt.Bis zu 400 Mrd.Dollar müßten davon aus dem Ausland kommen.Voraussetzung für einen grenzüberschreitenden Finanztransfer aber bleiben ausreichende Rahmenbedingungen.Hier hat sich in den letzten Monaten viel getan.Nach sieben mageren Jahren wird für das Bruttoinlandsprodukt nun zum ersten Mal ein vorsichtiges Wachstum prognostiziert, der Wechselkurs des Rubel hat sich zur D-Mark weiter stabilisiert und die Inflationsrate von zur Zeit noch 14 Prozent könnte im Laufe des Jahres weiter nach unten gehen. Aus deutscher Sicht hat sich vor allem Moskau zu einer Art Boom-Town entwickelt.Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Maschinen, Baumaterialien und der nötigen Bautechnik.Mehr als 20 Prozent des gesamten Moskauer Wohnungsbestandes sind Plattenbauten.J.N.Pritula, einer der Verwaltungsleiter der privaten Bauentwicklung in der Stadt, schätzt den Sanierungsbedarf dieser Häuser auf 15 Mill.Quadratmeter.Seine Einladung insbesondere an Berliner Bauunternehmer, bei der Modernisierung der russischen Metropole zu helfen, ist ernstgemeint.Berlin hat in den letzten sechs Jahren mit rund 400 000 Quadratmetern überarbeiteter Fassaden besondere Erfahrungen bei der Sanierung des Plattenbestandes sammeln können.Auch St.Petersburg, mit 5 Mill.Einwohnern eine der größten russischen Wirtschaftsregionen, wirbt um deutsches Know-how und deutsches Kapital.Vize-Gouverneur Viktor Loktionov geht für 1998 von einem Anstieg der Bautätigkeit um rund zehn Prozent aus.Im zurückliegenden Jahr brachte es die Bauwirtschaft in St.Petersburg auf ein Investitionsvolumen von einer Mrd.Dollar.Allein die Sanierung des umfangreichen Fernwärmenetzes übersteigt die eigenen Möglichkeiten bei weitem. Anknüpfungspunkte für die Bauindustrie gibt es genug.Nicht zuletzt profitieren die deutschen Unternehmer von der Teilnahme am Wohnungsbauprogramm für russische Soldaten in der früheren DDR.Mehr als acht Mrd.DM wurden in den letzten sechs Jahren hier umgesetzt.Daran war die deutsche Bauwirtschaft trotz starker Konkurrenz mit fast 60 Prozent beteiligt.Der größte Brocken ging an den deutschen Anlagenbau mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Mrd.DM.Der deutsche Qualitätsstandard hat sich bezahlt gemacht.Eine neue Auftgabe deutscher Firmen könnte es sein, bei der absehbaren Privatisierung der funktionstüchtigen Baubetriebe der russischen Armee zu helfen.

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