Wirtschaft : Berliner Firmen sind bei Banken unbeliebt

Creditreform: Betriebe gelten als finanzschwach

Carsten Brönstrup

Berlin - Unternehmen aus der Hauptstadt sind bei Banken eher unbeliebte Geschäftspartner. Denn 3,04 von 100 Firmen sind derzeit so gut wie pleite – im Bundesdurchschnitt liegt die Quote nur bei 2,29 Betrieben. Diese Werte hat die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ermittelt und am Dienstag in Berlin vorgestellt. Brandenburg steht demnach nur unwesentlich besser da – hier stehen im Schnitt 2,71 von 100 Unternehmen vor dem Zusammenbruch. Die Zahlen sind zwar etwas besser als im Vorjahr, für das kommende Jahr erwartet Creditreform wegen der schwächeren Konjunktur allerdings wieder eine Verschlechterung der Lage.

Das Risiko für Kreditinstitute, das verliehenes Geld nicht zurückzubekommen, stufen die Fachleute für Berlin als „hoch“ ein, das Urteil entspricht der Creditreform-Risikoklasse fünf – von insgesamt sechs. Das ist von allen Bundesländern der schlechteste Wert. Unter die Lupe genommen hat das Unternehmen dazu 155 681 Firmen aus der Stadt, 4732 davon stehen derzeit vor dem Aus. Generell sind fast immer Betriebe betroffen, die auf weniger als 500 000 Euro Umsatz im Jahr kommen.

Angeschlagen waren die Unternehmen besonders in den Branchen Bau, Gastgewerbe sowie im Verkehr und in der Nachrichtenübermittlung. Besonders hoch ist das Insolvenzrisiko in den Bezirken Neukölln, Pankow, Spandau, aber auch in Reinickendorf – diese Gegenden werden von den Fachleuten sogar mit der Risikoklasse sechs bewertet. Bessere Noten gab es dagegen für die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Treptow-Köpenick. „Immerhin ist eine leichte Verbesserung gegenüber 2005 zu erkennen“, sagte Creditreform-Experte Andreas Huber. Für das kommende Jahr sei aber wieder mit einem Anstieg der Firmenpleiten auf 3,18 Prozent zu rechnen, sagte Huber. Dafür sprächen die steigenden Zinsen, die wegen der Anfang 2007 anstehenden Mehrwertsteuererhöhung vorgezogenen Investitionen sowie die zunehmende Zahl von Privatinsolvenzen, die eng mit den Firmenpleiten verzahnt seien. Für Deutschland insgesamt rechnet Creditreform mit 2,28 Prozent, das entspräche also einer Stagnation.

Trotzdem gebe es für Berlin keinen Anlass, schwarzzusehen, findet Huber. „Im Laufe der Jahre wird eine Marktbereinigung stattfinden – dann bleiben die gesunden, gut aufgestellten Firmen übrig.“ Dann bestehe die Chance, dass die Banken die Finanzkraft der Hauptstadtfirmen besser bewerteten. Aber auch jetzt schon hätten Existenzgründer eine Chance. Huber: „Wer ein gutes Konzept vorlegen kann und nicht gerade in einer Problembranche antritt, bekommt seine Startmöglichkeiten.“

Etwas besser als Berlin schneidet das Nachbarland Brandenburg ab. Creditreform bewertet das Pleitenrisiko in diesem Bundesland mit der Risikoklasse vier, nachdem es insgesamt 111 398 Firmen untersucht hat. 3024 davon sind in einer Schieflage. Gefahren gebe es besonders in Cottbus und im Kreis Barnim, heißt es bei der Wirtschaftsauskunftei. Mit sehr gut oder gut wird keine der Gegenden bewertet.

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