Wirtschaft : Berliner Firmen stellen ein

Jedes dritte Unternehmen will Beschäftigung aufbauen / Stimmung in der Region steigt auf Rekordhoch

Stefan Kaiser

Berlin - Den Unternehmen in Berlin und Brandenburg geht es so gut wie seit Jahren nicht mehr. Deshalb rechnen sie in den kommenden Monaten mit steigenden Beschäftigtenzahlen. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) der Region beurteilten 45 Prozent der befragten Firmen ihre Geschäftslage als gut, nur acht Prozent schätzten sie als schlecht ein. Der Rest hält sie für befriedigend. Auch für die kommenden zwölf Monate sind die Unternehmen der Region ungewöhnlich optimistisch: Jedes dritte erwartet bessere Geschäfte.

Die Kammern hatten in der ersten Januarhälfte 1400 Unternehmen der Region nach ihren Einschätzungen und Erwartungen gefragt. Der aus den Antworten ermittelte Konjunkturklimaindex stieg von 110 im Vorjahr auf 128 Punkte, so hoch wie noch nie seit seiner Einführung vor dreizehn Jahren. „Das ist ein sensationeller Wert“, sagte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Berliner IHK, der die Umfrageergebnisse am Montag gemeinsam mit seinen Kollegen aus Potsdam, Cottbus und Frankfurt an der Oder präsentierte. Die Berliner Unternehmen beurteilten Lage und Erwartungen als besonders gut. Hier rechnet fast jede zweite Firma mit besseren Geschäften. Dies soll sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken. In Berlin plant demnach jedes dritte Unternehmen (36 Prozent), die Zahl seiner Beschäftigten zu erhöhen – sechs Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Mit weniger Beschäftigten rechnen nur zehn Prozent, nach 15 Prozent im vergangenen Jahr (siehe Grafik).

Dieser Trend ist allerdings nicht auf Berlin beschränkt. Nach einer Umfrage des „Handelsblatts“ und der Unternehmensberatung Droege und Comp. wollen vier von zehn Unternehmen in Deutschland in den kommenden zwölf Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen. So groß war die Einstellungsbereitschaft zuletzt im September des Boomjahres 2000.

Laut IHK wollen in Berlin besonders die Dienstleistungsunternehmen einstellen. In der Branche plant jedes zweite Unternehmen mit mehr Mitarbeitern. In der gesamten Region Berlin-Brandenburg liegt die Industrie bei den Personalplänen an der Spitze. Im verarbeitenden Gewerbe sind auch die Einschätzung der Geschäftslage und die Erwartungen am besten. „In der Industrie ist fast niemand mehr unzufrieden“, sagte Eder. Die verbesserte Laune erstrecke sich aber über alle Branchen. „Wir haben keine Sorgenkinder mehr. Auch in der Bauwirtschaft hat sich der Wind gedreht.“

Als Gründe für den Aufschwung in der Region nannte Eder die gute Konjunktur in Deutschland, die positiven Effekte der Fußball-Weltmeisterschaft auf den Handel und die Dienstleistungsbranche sowie den Touristenboom, der auch nach der WM angehalten habe. Auch die Liberalisierung des Ladenschlusses und der Baubeginn beim Flughafen BBI hätten positive Effekte, sagte Eder. Bis Ende Januar habe die Flughafengesellschaft 165 Aufträge im Wert von mehr als 260 Millionen Euro ausgeschrieben, berichtete Joachim Linstedt, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. 94 Prozent dieses Volumens seien in der Region Berlin-Brandenburg geblieben. Im laufenden Jahr würden weitere Aufträge im Wert von bis zu einer Milliarde Euro vergeben.

Trotz allen Optimismus’ hinkt die Wirtschaft in der Region im bundesweiten Durchschnitt aber weiter hinterher. 2006 war das Bruttoinlandsprodukt in Berlin um 1,5 und in Brandenburg um 1,9 Prozent gewachsen, während für Gesamtdeutschland 2,5 Prozent verzeichnet wurden. Die Industrie- und Handelskammern rechnen auch in diesem Jahr mit einem Wachstum unter Durchschnitt. In Berlin soll es bei 1,0 bis 1,5 Prozent liegen, in Brandenburg bei 1,7 bis 1,9 Prozent.

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