Wirtschaft : Berliner Firmen verpassen Chancen

Mittelstand nutzt Nähe zu Osteuropas Märkten unzureichend

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Berlin (lvt). Die OsteuropaStrategien des Berliner Senats, der Berliner Marketingfirmen und des Mittelstandes sollen besser aufeinander abgestimmt werden. Das forderte der Koordinator des Regierenden Bürgermeisters für Mittel- und Osteuropa, Wolfram O. Martinsen, am Donnerstag in Berlin. „Es gibt zu viele unkoordinierte, ungeplante Aktionen“, kritisierte der frühere Siemens-Manager beim Verein Berliner Wirtschaftsgespräche im Charlottenburger International Club. 13 Jahre nach der Maueröffnung nutze Berlin die Chancen immer noch viel zu wenig, die sich durch den angrenzenden Markt in Polen und in den baltischen Staaten böten.

Als positive Beispiele nannte er das Pharma-Unternehmen Berlin Chemie, das gemeinsam mit einer italienischen Firma auf den russischen Markt gegangen ist und für seine Produkte inzwischen einen Marktanteil von 30 Prozent vorweisen kann. Martinsen appellierte an die rund 70 versammelten Unternehmer, die EU-Erweiterung als Herausforderung anzunehmen. Die Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verbessert. So sei im Koalitionsvertrag der Berliner Landesregierung festgeschrieben, dass Mittel- und Osteuropa als Kernregion angesehen wird. „Der Mittelstand müsste das Zentrum der Bewegung sein“, sagte Martinsen.

Die Unternehmer zeigten sich dennoch skeptisch. Neben „erheblichen kulturellen Hürden“ seien vielen Mittelständlern die Risiken für Investitionen in Mittel- und Osteuropa immer noch viel zu hoch, sagte Uwe Alschner von der Unternehmensgruppe Piepenbrock. Er forderte von der Landesregierung mehr Aufklärung über Chancen und Gefahren eines Engagements in Osteuropa. Friedrich Buchholz vom Entsorgungsunternehmen Rethmann kritisierte die Wirtschaftsförderung des Landes als schlecht informiert und beklagte sich über „den verkrusteten Haufen von Bürokraten im Senat“. Er beklagte, dass es bis heute zum Beispiel keine verlässlichen Erhebungen darüber gebe, wie viele Firmen aus Berlin und Brandenburg in Polen investierten.

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