Berliner Flughäfen : Großflughafen als Jobmotor ist fraglich

Die Prognosen hörten sich sehr verheißungsvoll an: Zehntausende neue Arbeitsplätze und Milliardeninvestitionen. Doch zumindest was die neuen Arbeitsplätze angeht scheint jetzt Realismus einzukehren.

Berlin - Für die Teilnehmer der Pressekonferenz war das Ergebnis schnell klar: Der Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) schaffe als "Jobmaschine" bis zu 21.000 zusätzliche Arbeitsplätze, erhöhe die Wirtschaftsleistung der Hauptstadt innerhalb von fünf Jahren um knapp 3,9 Milliarden Euro und steigere so auch die öffentlichen Einnahmen um mehr als 400 Millionen Euro.

Diese viel versprechenden Zahlen präsentierte die Investitionsbank Berlin (IBB) unlängst auf einer Pressekonferenz der Industrie- und Handelskammer in Berlin. Die Berechnung beruht auf einem für Berlin neu entwickelten Simulationsmodell des angesehenen Linzer Wirtschaftsprofessors Friedrich Schneider, das unter Berücksichtigung verschiedener ökonomischer Faktoren die möglichen Effekte von Investitionen aus öffentlicher Hand voraussagen soll.

Doch mit ihrer optimistischen Einschätzung stehen die Wirtschaftsförderer weitgehend alleine da. So meint Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, die euphorische Prognose der Investitionsbank sei "mit äußerster Vorsicht" zu genießen, gerade wenn es um Schätzungen über Arbeitsmarkteffekte gehe. "Man kann auch mit dem Bau von Pyramiden Arbeitsplätze schaffen", sagt Brenke.

Nullsummenspiel

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Michael Dietmann, gibt zu bedenken, dass Arbeitsplätze womöglich nur innerhalb der drei Berliner Flughäfen verlagert werden. Die Prognose für mehr Jobs könnte sich somit als Nullsummenspiel entpuppen.

Der Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa aus Offenbach warnt: Statt zusätzlicher Arbeitsplätze könnten vielmehr 10 bis 15 Prozent der derzeit rund 15.000 Stellen bei den Berliner Flughäfen eingespart werden. Hauptgrund seien die beim BBI-Bau entstehenden Synergieeffekte. In der Gepäckabfertigung könnten in Schönefeld durch den Einsatz neuer Technologien rund zwei Drittel der Arbeitsplätze eingespart werden. "Bei den bisherigen drei Standorten lohnt sich dieser Technologieeinsatz nicht, er ist auch nicht nötig."

Höheres Passagieraufkommen bringt Stellen

Zwar würden auch neue Jobs entstehen, sagt Faulenbach. Grund dafür sei aber nicht der Flughafenausbau in Schönefeld, sondern das zu erwartende steigende Passagieraufkommen. Davon hätte Berlin dem Experten zufolge aber auch ohne den Flughafen BBI und die damit drohenden Synergieeffekte im Personalbereich profitiert.

Für die Berliner Wirtschaft könnte die Rechnung ebenfalls nicht so günstig aussehen wie erhofft: Schon die Annahme, dass 70 Prozent der geplanten Investitionen von 2,6 Milliarden Euro in Berlin wirksam werden, sei unrealistisch, erklärt Michael Breitkopf, der für die PDS im zweiten Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses zum Flughafen Schönefeld saß. Nach europäischem Wettbewerbsrecht müssen die Aufträge rund um den Bau des Flughafens international ausgeschrieben werden. Mittelständische Berliner Unternehmen könnten dabei womöglich leer ausgehen, sagt Breitkopf.

Eigeninteresse beeinflusst Prognosen

Auf Skepsis stößt die von der IBB verbreitete Prognose auch wegen deren Eigeninteresse am Airportprojekt. Die Investitionsbank ist nach eigenen Angaben Mitglied in jenem internationalen Bankenkonsortium, das die Brückenfinanzierung des Flughafens BBI beisteuert. Da die IBB als Wirtschaftsförderbank zudem auch von Folgeinvestitionen profitieren würde, seien grundsätzliche Zweifel an der Seriosität der wissenschaftlichen Untersuchung angebracht, erklärt der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Oliver Schruoffeneger.

Die Studie der österreichischen Forscher bezahlte die IBB mit 70.000 Euro an öffentlichen Geldern. Zusätzlich ist zu dem Thema auch ein Buch erschienen, das von der IBB finanziert wurde. Zu den fünf Autoren des Werkes zählt unter anderem der IBB-Vorstandsvorsitzende Dieter Puchta, dessen Beitrag jedoch vornehmlich "organisatorisch" gewesen sei, sagt einer der Verfasser. Ob das 144-Seiten-Buch verkauft wird oder kostenlos verteilt wird, ist nach Angaben eines IBB-Sprechers noch nicht entschieden. (tso/ddp)

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