Berliner Geschäftsklima : "Die Krise ist Geschichte"

Die Herbstumfrage von IHK und Handwerkskammer ergibt: Das Geschäftsklima in Berlin ist bestens. Nur das Handwerk will per saldo Stellen abbauen.

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Berlin - Jan Eder hatte nur eine schlechte Nachricht mitgebracht: „Das Geschäftsklima in Berlin hat den Höchststand von 2007 noch nicht erreicht“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) am Montag in Berlin. Angesichts der Fülle sonst guter Nachrichten fiel das aber nicht weiter ins Gewicht. Denn die Umfrage zur Berliner Konjunkturlage im Herbst 2010 fällt glänzend aus: In fast allen Branchen geht es aufwärts – mit der Stimmung, den Geschäftserwartungen, mit den Investitionen und der Beschäftigung. „Die Krise ist Geschichte“, bilanzierte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Und der Rekord des Jahres 2007 ist nicht mehr weit: Der an 100 ausgerichtete Wert des Geschäftsklimaindex liegt bei „sehr guten“ 123 Punkten – vor drei Jahren waren es 136.

Befragt nach ihrer Lage und den Aussichten haben 4360 Berliner Betriebe Antworten gegeben, die selbst die Kammervertreter überraschten. „Fast sensationell“ nannte Jan Eder zum Beispiel die aktuelle Situation der Hotels, Restaurants, Bars und Kneipen. „Unter allen Branchen der Berliner Wirtschaft herrscht im Gastgewerbe mit Abstand die beste Stimmung.“ 57 Prozent der Befragten sprächen von einer guten Geschäftslage, im Frühjahr waren es nur 41 Prozent. Angesichts von steigenden Touristenzahlen und einer allgemein stärkeren Konsumneigung hätten die Investitionspläne in der Branche ein Niveau erreicht, das in Berlin noch nie gemessen worden sei.

Nun haben Dienstleistungen in Berlin ohnehin den größten Anteil an der Wertschöpfung. Kommt der Aufschwung, ist er hier besonders deutlich zu spüren. Doch auch andere Branchen – Bau, Handel oder Industrie – melden bessere Geschäfte und suchen Mitarbeiter. „Die Krise bei der Beschäftigung ist für die meisten Berliner Betriebe überwunden“, sagte Jürgen Wittke. Nur das Handwerk will per saldo Stellen abbauen.

Die Bauwirtschaft profitiert weiter von den Konjunkturprogrammen. Keine Branche in Berlin ist beim Thema Beschäftigung und Investitionen deshalb so optimistisch. Der Konjunkturbericht spricht vom „höchsten Niveau seit Beginn der Statistik im Jahr 2000“. Doch das Beispiel Bau zeigt auch, dass die Party nicht ewig dauern wird. Entgegen dem Trend in der Gesamtwirtschaft trüben sich die Geschäftserwartungen schon wieder ein – weil klar ist, dass die Konjunkturprogramme auslaufen werden. IHK-Hauptgeschäftsführer Eder warnte auch deshalb davor, das „zarte Pflänzchen Aufschwung“ durch überhöhte Zugeständnisse bei den Löhnen zunichtezumachen. Noch immer liege die Wertschöpfung von Arbeit in Berlin rund 20 Prozent unter der in Metropolen wie München.

Wenig Freude bereiten Eder und Wittke auch die jüngsten Überlegungen zu einer sogenannten Citytax für Berlinbesucher. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) erwägt, eine Abgabe auf Hotelbetten oder Übernachtungen zu erheben. Kein Politiker könne garantieren, dass diese Abgabe in Höhe von einem bis 1,50 Euro pro Person wieder in den touristischen Bereich fließe, sagte Eder. Das Preis-Leistungs-Verhältnis in Berlin sei aktuell „wunderbar“, der Tourismusstandort lebe von seinem Angebot zu niedrigen Preisen. Bevor das Land seine Besucher zur Kasse bitte, solle Berlin zuerst seine Finanzen ordnen, um die Pflege des öffentlichen Erscheinungsbilds selbst bezahlen zu können.

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