Wirtschaft : Berliner Handwerk nach Krisenjahren mit wenig Hoffnung

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Nach sieben Krisenjahren ist das Berliner Handwerk nur mit wenig Hoffnung auf Besserung in das Jahr 2002 gestartet. Die Zahl der Existenzgründungen habe im ersten Quartal diesen Jahres im Vergleich zum Vorjahr zwar zugenommen. Aber viele Selbständige würden nach kurzer Zeit wieder aufgeben, weil ihnen der betriebswirtschaftliche Sachverstand fehle, sagte Handwerkskammer-Präsident Hans-Dieter Blaese am Montag in Berlin. "Wir haben die Talsohle noch nicht erreicht." Das Konjunkturbarometer der 27 403 Mitgliedsbetriebe sei 2001 auf den niedrigsten Stand seit Beginn der 90er Jahre gefallen.

Im vergangenen Jahr mussten 532 Handwerksbetriebe in Berlin schließen, 7870 Beschäftigte wurden entlassen. Bis Ende März 2002 sei die Zahl der bei der Handwerkskammer registrierten Firmen erneut um 217 gefallen. Die Umsätze verringerten sich 2001 um 610 Millionen auf 12,3 Milliarden Euro. Schuld am anhaltenden Abwärtstrend, so Blaese, sei die Krise im Baugewerbe, dem 65 Prozent aller Berliner Handwerksbetriebe angehören. "Dramatisch" sei aber auch die Lage der Bäckereien und Fleischereien, die immer weniger der Konkurrenz durch Industrieprodukte und dem Preiskampf der "Aufbackstationen" standhalten könnten.

Der einzige boomende Bereich sei die Schwarzarbeit. Sie habe im vergangenen Jahr ein Volumen von 2,1 Milliarden Euro erreicht, was 142 Millionen Arbeitsstunden entspreche. Blaese forderte deshalb die Verschärfung der Strafen für Schwarzarbeit. Der Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi versprach am Montag, sich verstärkt für die Verabschiedung des Gesetzes zur Bekämpfung von Schwarzarbeit im Bundesrat einzusetzen. Eine Besserung der Situation verspricht sich Blaese davon, dass die Koalition im Senat künftig öffentliche Aufträge kleinteilig, in Fach- und Teillosen ( siehe Lexikon ) ausschreiben wollen, wodurch den Handwerksbetrieben ein direkter Zugang zu den Auftraggebern ermöglicht würde.

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