Berliner Handwerker : Schwindende Zuversicht

Für das Berliner Handwerk sind die besten Zeiten dieses Aufschwungs vorbei. Die Betriebe hoffen aber auf Kauflaune der Kunden.

Yasmin El-Sharif
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Berlin - Die Betriebe blicken nur noch „verhalten positiv“ in die Zukunft, wie eine aktuelle Befragung unter den 33 000 Handwerksfirmen ergab und deren Ergebnisse die Kammer am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Der Index für das Geschäftsklima des Handwerks sei um fünf auf 91 Punkte gesunken, sagte Kammerpräsident Stephan Schwarz. „Die Stimmung ist etwas gedämpfter als 2007“, erklärte er. „Verglichen mit dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ist sie aber immer noch erheblich besser.“

Hauptursache für das abgeschwächte Ergebnis sei, dass – anders als erhofft – der private Konsum noch immer nicht richtig in Fahrt gekommen sei. Schwarz führte den Dämpfer aber auch darauf zurück, dass im Herbst 2007 ein Rekordniveau erreicht worden sei, das nun nur schwer wieder eingeholt werden könne. Damit lässt sich auch erklären, warum immer noch ein Großteil der Betriebe die Geschäftsergebnisse im ersten Quartal mit „gut“ (21 Prozent) oder „befriedigend“ bewertete (47 Prozent). Die besten Beurteilungen kamen hierbei aus Betrieben für den gewerblichen Bedarf, dazu gehören auch viele Zulieferer. Diese Firmen leben laut Schwarz oft von Exporten und sind daher nicht so stark auf den (schwachen) Konsum im Inland angewiesen. Aber auch das Nahrungsmittelhandwerk, zu denen Bäcker oder Fleischer zählen, schätzt seine Lage deutlich positiver ein als in früheren Befragungen. „Die Lebensmittelschweinereien im vergangenen Jahr haben wahrscheinlich dazu geführt, dass die Verbraucher wieder mehr auf Qualität setzen“, sagte Schwarz. Deutlich weniger zuversichtlich sind dagegen die Handwerker im Kraftfahrzeugbau, im Baugewerbe und aus dem Dienstleistungsbereich, darunter beispielsweise Frisöre.

Bei der Beschäftigtenzahl zeichnen sich in diesem Jahr laut Befragung keine großen Veränderungen ab. Schwarz zufolge wird sich die Zahl vermutlich bei etwa 191 000 einpendeln. Sollte sie sinken, müsste dies aber nicht nur konjunkturell bedingt sein, sondern könne auch auf fehlenden Nachwuchs zurückgeführt werden, sagte der Kammerpräsident. Denn auch im Handwerk sei ein Fachkräftemangel abzusehen. Yasmin El-Sharif

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