Wirtschaft : Berliner Industrie erreicht die Talsohle DIW: Betriebe immer moderner

Zu geringe Exporte nach Osteuropa

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Berlin (brö). Arbeitsplatzabbau und Produktionsrückgang in der Berliner Industrie kommen nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) derzeit zum Stillstand. Es zeichne sich eine Trendwende ab, schreiben die Forscher in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Die Exportchancen nach Mittel- und Osteuropa habe die Berliner Wirtschaft indes nicht genutzt, stellt das DIW fest. Die Ausfuhren in die möglichen Beitrittsländer zur Europäischen Union hätten sich schlechter entwickelt als der deutsche Durchschnitt.

Die Industrieunternehmen, die seit dem Mauerfall in Berlin überlebt hätten oder neu gegründet worden seien, haben nach Erkenntnissen des DIW ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern können. Neue Produktlinien und intensivere Forschung hätten für einen Modernisierungsschub gesorgt. Auch die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor berge ein „beachtliches Entwicklungspotenzial“. Die Struktur der Berliner Industrie sei moderner geworden, der Anteil wissensintensiver Produktlinien sei gewachsen. „Diese Entwicklung hat zu einer spürbaren Aufwertung der Arbeitsplatzstruktur beigetragen“, heißt es in dem Bericht. So arbeiteten nun mehr Menschen in strategisch wichtigen Bereichen wie Forschung, Produktentwicklung, Qualitätskontrolle und Vertrieb. Dagegen habe die Zahl der Jobs in der Fertigung abgenommen.

Allerdings spielt die Berliner Industrie nicht mehr die Rolle wie vor dem Krieg. Damals galt die Stadt als größte Industriemetropole des Landes. Seit 1991 sank die Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes um 30 Prozent, zugleich gab es viele Standortschließungen und Stellenstreichungen. Im Jahr 2001 waren in Berlin laut DIW rund 164 000 Beschäftigte in der Industrie tätig, das waren elf Prozent aller Arbeitsplätze. Wichtiger als die Industrie ist mittlerweile der Dienstleistungssektor. Dort arbeiteten im vergangenen Jahr etwa 271 000 Beschäftigte. Gegenüber 1991 ist dies eine Zunahme um rund zwei Drittel. Die Bruttowertschöpfung sei in diesem Zeitraum um 27 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro gestiegen. Damit spielen diese Branchen in der Berliner Wirtschaft eine größere Rolle als die Industrie.

Beim Export hat Berlin allerdings noch Probleme. „Weit hinter den Erwartungen“ seien die Ausfuhren in die Länder der EU-Beitrittskandidaten zurückgeblieben, schreibt das DIW. Die Exporte aus ganz Deutschland wuchsen schneller als die aus Berlin. Die Wachstumsdifferenz habe seit 1997 zwar abgenommen. „Das ist jedoch kein Aufholprozess, lediglich das Tempo des Zurückfallens hat sich verlangsamt“, stellt das Institut fest.

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