Wirtschaft : Berliner Industrie erreicht die Talsohle

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Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) hält den Strukturwandel der Berliner Industrie nach den dramatischen Einbrüchen seit der Wiedervereinigung für abgeschlossen. Bei der Vorstellung eines Gutachtens über das verarbeitende Gewerbe in der Hauptstadt sagte er: „Jetzt ist ein Stand erreicht, von dem aus wir wieder wachsen können.“ Im vergangenen Jahr habe es in der Industrie erstmals keinen Arbeitsplatzabbau mehr gegeben. Seit 1991 hat sich die Zahl der Industriebeschäftigten auf 160000 halbiert. Gysi betonte, dass Berlin unbedingt Industriepotenzial benötige. Das A und O für Ansiedlungspolitik sei die Bestandspflege.

Thomas Hertz, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, die das Gutachten gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft in Auftrag gegeben hatte, sagte: „Die Industrie in Berlin ist anders, aber sie ist quicklebendig.“ Sie sei zudem ein unverzichtbarer Auftraggeber für zahlreiche Dienstleister. Hertz sprach von einem „Qualitätssprung“: Die „verlängerte Werkbank“ gehöre der Vergangenheit an. Die Stadt sei für junge Führungskräfte attraktiv geworden: „Berlin wird von ihnen als wettbewerbsfähiger Industriestandort angesehen.“ Er zeigte sich aber besorgt, das Land Berlin könnte die Qualifikation von Auszubildenden vernachlässigen. Auch fürchtet er Einschnitte für die Berufsakademien und forderte Verlässlichkeit in der Hochschulpolitik.

Der Gutachter Peter Ring von Regioconsult konstatierte, die Zahl der Beschäftigten mit einfachen Tätigkeiten nehme ab, in wissensintensiven Bereichen dagegen steige sie, etwa in der Elektrotechnik, im Fahrzeugbau, der Pharmazie oder Medizintechnik. Die Konzentration auf Dienstleistungen sei in Berlin vergleichsweise weit fortgeschritten. Er betonte die enge Verknüpfung von Industrie und unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Der andere Gutachter, Kurt Hornschild vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte, 40 Prozent der Dienstleister hielten es für möglich, das Geschäft mit der Berliner Industrie auszuweiten. tia

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