Berliner Jungunternehmer in Davos : „Bei Wein und Häppchen läuft mir Al Gore über den Weg“

Die Organisatoren des Weltwirtschaftsforums in Davos haben 50 Jungunternehmer zum Gedankenaustausch mit den Mächtigen der Welt eingeladen. Hannes Klöpper (31), Gründer der Berliner Firma Iversity, schildert seine Eindrücke.

Hannes Klöpper
Auf dem Wirtschaftsforum in Davos treffen sich die Mächtigen der Welt. Mit dabei ist auch der frühere US-Vizepräsident Al Gore.
Auf dem Wirtschaftsforum in Davos treffen sich die Mächtigen der Welt. Mit dabei ist auch der frühere US-Vizepräsident Al Gore.Foto: AFP

Morgens um 6.45 Uhr dämmert Davos noch im Halbdunkel. Die Temperatur liegt bei minus zehn Grad Celsius. Das World Economic Forum beginnt. Die globale Wirtschaftselite lädt hier alljährlich zum Stelldichein mit Führungspersönlichkeiten aus Politik, Religion und Gesellschaft. Das wiederkehrende Motto: "Committed to improving the state of the world" – in etwa: “Verpflichtet, die Welt zu verbessern”.

Vor der Hochgebirgsklinik, die 50 der über 2500 Besucher beherbergt, warte ich gemeinsam mit Alain Nteff aus Kamerun auf einen der über 100 Shuttle-Busse, die die Teilnehmer zwischen den über ganz Davos verteilten Veranstaltungsorten hin- und hertransportieren. Alain friert, er hat keine Jacke dabei. "Ich wusste nicht, dass es hier sooo kalt ist," sagt er. Ich leihe ihm meinen im Berliner Winter bewährten Wollpullover. Wir beide gehören zur 50 Personen umfassenden Delegation der "Global Shapers", der Nachwuchsorganisation des Forums, und sind beide Jungunternehmer im digitalen Bildungsbereich. Während meine Firma Iversity Hochschulkurse im Netz anbietet, hat Alain das Gesundheitsprojekt "Gifted Mom" aufgebaut, das per Mobiltelefon praktisches Wissen an Mütter vermittelt und dadurch zur Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Neugeborenen und Schwangeren beitragen soll.

Hannes Klöpper (31) ist Geschäftsführer von Iversity.
Hannes Klöpper (31) ist Geschäftsführer von Iversity.Foto: Iversity

 Auf den Dächern lauern Scharfschützen

Das Netzwerk der “Global Shapers” wurde ins Leben gerufen, um der jungen Generation Zugang zu den Fluren der Macht zu verschaffen. Dazu gehört auch Stephanie Siriwardhana, die aus Sri Lanka stammende Absolventin der Universität Montreal und Teilnehmerin an den Wahlen zur Miss Universe 2011. Sie setzt sich mit einer Stiftung gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen ein. Auf dem Forum ist sie eine Ausnahmeerscheinung: Die Basler Zeitung hat die Besucherstatistik der vergangenen 25 Jahre ausgewertet. Ergebnis: Der Frauenanteil ist auf 17 Prozent gestiegen.

 Als wir das Konferenzzentrum erreichen, erwarten uns umfangreiche Sicherheitskontrollen. Auf den Dächern lauern Scharfschützen. Die Hälfte aller Schweizer Polizeibeamten scheint hier zu sein. Wenn man anderswo in der Schweiz eine Bank überfallen möchte, dann wohl am besten in diesen Tagen.

 Bereits vorab hatte ich Termine mit den hier vertretenen Präsidenten von Universitäten und Business Schools vereinbart, um sie für ein Netzwerk der digitalen Hochschullehre zu gewinnen. An Bildung werden in Davos große Erwartungen geknüpft, an das Internet sowieso. Staats- und Konzernlenker aus aller Welt erhoffen sich, mit Bildung Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheiten zu bekämpfen. Die großen Unternehmen setzen auf Bildung, um sich Vorteile im globalen Wettbewerb zu verschaffen. Zugleich wird Bildung als Mittel gesehen, kritische und engagierte Staatsbürger zu erziehen, die den Einflüsterungen von Radikalen widerstehen und das demokratische Gesellschaftsmodell tragen. Ich renne also offene Türen ein.

 Bei Wein und Häppchen läuft mir Al Gore über den Weg

Die meisten Teilnehmer begegnen mir als Jungunternehmer aus der Berliner Start-up-Szene mit Offenheit und echter Neugier. Männer ohne graue Haare sind hier eine Seltenheit. Ein amerikanischen Milliardär lässt sich ganz selbstverständlich auf eine Diskussion über die ideologische Polarisierung in den USA ein. Aber es gibt auch Ausnahmen wie den Vertreter eines großen deutschen Medienkonzerns, der mir mit einiger Überheblichkeit entgegentritt.

 Am späten Nachmittag nimmt sich Dominique Turpin, der Präsident der weltweit führenden Business School Lausanne, für mich Zeit. Ein typischer Termin bei ihm dauert 15-20 Minuten, doch er spricht mit so viel Begeisterung von den Chancen der digitalen Lehre, dass unser Treffen fast zweieinhalb Stunden dauert. Wir verpassen die feierliche Eröffnungszeremonie fast vollständig. Als wir unsere Plätze einnehmen, stimmt Andrea Bocelli gerade die letzte Zugabe an. Bei Wein und Häppchen läuft mir im Anschluss Al Gore über den Weg. Auf dem Forum erhält man, zumindest als Global Shaper, Zugang zu den Mächtigen. Wird die Welt dadurch tatsächlich besser? Die Zukunft wird es zeigen.

Der Autor dieses Gastbeitrages, Hannes Klöpper (31), ist Geschäftsführer des Berliner Start-ups Iversity, einer Plattform für digitale Hochschulkurse aller Fachrichtungen. Er war als Jungunternehmer zum Weltwirtschaftsforum eingeladen worden .

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