Wirtschaft : Berliner Köpfe: Den richtigen Riecher für Trends

Karin Birk

Heidrun Hogan hat ein Gespür für Veränderungen, für neue Trends - besonders dann, wenn es um Berufe geht. Das braucht sie auch, denn die Unternehmerin hat sich vor fünf Jahren mit der Beratung und Schulung von Berufswechslern und Arbeitslosen selbstständig gemacht und ein eigenes Bildungsinstitut aufgebaut.

Ihr Job ist es, herauszufinden, welche Berufe morgen auf dem Arbeitsmarkt gefragt und welche Qualifikationen dafür nötig sind. Sie muss erkennen, wo es bei den Bewerbern hakt und was sie für die künftige Stelle noch lernen müssen. Dann geht sie in sich, überlegt wie ein arbeitsloser Geisteswissenschaftler für das Managment beim Mittelständler fit gemacht werden, oder eine alleinerziehende Mutter nebenher eine kaufmännische Ausbildung absolvieren kann. Heidrun Hogan hat einen ganz guten Riecher entwickelt. Denn bisher konnte sie ihre Leute gut vermitteln. Das ist wichtig. "Die Vermittlungsquote muss schon stimmen", sagt sie. Denn sonst bekommt ihr Institut kein Geld mehr von den öffentlichen Trägern, von den Arbeitsämtern oder dem Europäischen Sozialfonds.

Die 55-Jährige vertraut auf ihr Können: "Als ich die Idee hatte, einen 16-monatigen Kurs für Hausmanager und Butler anzubieten, wurde ich nur verspottet, jetzt haben wir mehr Anfragen als geeignete Leute", sagt sie. Das Aufspüren von neuen Entwicklungen am Arbeitsmarkt ist für Hogan nicht neu. Schon zu DDR-Zeiten hat sich die studierte Psychologin lange Jahre als Mitarbeiterin der Akademie der Wissenschaften in Berlin mit Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beschäftigt. Schon früh hat sie beispielsweise untersucht, wie die Computertechnologie die Berufswelt verändern wird. "Dinge, die ich heute praktisch mache, habe ich damals sozusagen theoretisch untersucht", erzählt sie. Und ihre wissenschaftliche Erfahrung ist groß: Nach dem Studium der Psychologie in Jena hat die gebürtige Leipzigerin zwischen 1969 und 1988 an verschiednen Instituten geforscht, gelehrt und nebenher noch promoviert.

Doch mit der Wende war es aus. Die Akademie der Wissenschaften baute viele Stellen ab. "Ich war gezwungen, eine neue Tätigkeit zu finden", sagt sie. Zwei Möglichkeiten kristallisierten sich heraus. "Einmal hätte ich an einem kleinen privaten Forschungsinsitut weiter forschen und sozusagen an meinen bisherigen Inhalten festhalten können." Zum anderen habe ein privater Bildungsträger, die ED-Frau-GmbH, jemanden für den Aufbau der Berliner Niederlassung gesucht. "Es war keine leichte Entscheidung", erinnert sie sich. "Das Risiko als unerfahrene Managerin in die Marktwirtschaft einzusteigen war groß." Doch Hogan wagt es und betritt Neuland: Sie managt das Unternehmen, baut Schulungsstätten auf und lehrt teilweise selbst. Sie sammelt Erfahrung und geht 1996 noch einen Schritt weiter und macht sich selbstständig. Seitdem hat sie ein eigenes Institut mit zehn fest angestellten Mitarbeitern und rund 50 freien Dozenten. Zusammen haben sie schon 1500 Interessenten umgeschult und beraten. Was unter dem Strich übrig bleibt, investiert die Unternehmerin vor allem in Schulungsräume am Köllnischen Park. Bereut hat sie die Entscheidung bisher nicht. "Nur manchmal", sagt sie, "hätte ich doch gerne mehr Zeit für meine Hobbys". Für das Reisen, für Ausstellungen und vor allem für ihre zwei Enkeltöchter, mit denen sie auch gerne mal verreist.

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