Wirtschaft : Berliner Köpfe: Der Meinungssammler

Normalerweise sind Briefmarken, Teddybären oder Münzen begehrte Objekte leidenschaftlicher Sammler. Felix Frohn-Bernau sammelt Meinungen. Allerdings treibt ihn dabei weniger die Sammelleidenschaft als sein Geschäftssinn. Frohn-Bernau ist der Chef des Berliner Start-ups Dooyoo. Dooyoo fragt Verbraucher nach ihrer Meinung zu Produkten und präsentiert die Ergebnisse auf einer Plattform im Internet, "eine Art virtuelle Stiftung Warentest, nur präziser und interaktiv", erklärt Frohn-Bernau.

Der Firmengründer, der heute "in Meinungen macht", wollte eigentlich Pilot werden. "Dafür waren meine Zähne aber zu schlecht", sagt der 32-jährige Halbspanier und schmunzelt. Also blieb er auf dem Boden. Das Jura-Studium in Köln schloss er im Eiltempo mit Prädikat ab, arbeitete als Rechtsanwalt erst in Madrid, dann in Berlin und München bei einer der größten deutschen Kanzleien. Dynamisch, weltgewandt und wohlerzogen war dem talentierten Junganwalt eine große Zukunft sicher.

Doch dann rief ihn vor zwei Jahren sein alter Kölner Kumpel Boris an und plötzlich war alles anders: Boris hatte eine Vision von Internet und Unternehmensgründung. "Als er mich fragte, ob ich dabei bin, habe ich einfach ja gesagt", erinnert sich Frohn-Bernau. So bezog das Gründerteam - Frohn-Bernau und fünf Sandkastenfreunde aus Köln am Rhein - im September 1999 sein Quartier an der Spree: 20 Quadratmeter Bürofläche, sechs Holzstühle und ein Telefonanschluss waren das Startkapital. Nach wenigen Tagen stand der Businessplan und knapp sieben Wochen später waren auch die Investoren gefunden. "Wir waren entschlossen und brutal." Im November stellte Dooyoo den ersten Mitarbeiter ein, im Februar 2000 waren es dann bereits vierzig. Mittlerweile gehört Dooyoo zu den zehn größten Start-ups Deutschlands und beschäftigte bis zu 170 Mitarbeiter in fünf Ländern.

Im Netz sammelt Felix Frohn-Bernau Meinungen, in der Politik vertritt er eigene Ansichten: "Ich mische mich ein, weil so vieles in der deutschen Politik und Gesetzgebeung gründerfeindlich ist, vor allem für Firmen aus der New Economy." Im Juli 2000 gründete er deshalb den Verband Enef (European Net Economy Forum) als Netzwerk für die Internet-Ökonomie. So will Frohn-Bernau für seine Anliegen und die Anliegen anderer Gründer mehr Breitenwirkung erzielen.

Die Krise auf dem Neuen Markt hingegen bereitet ihm kaum Kopfzerbrechen. "Die New Economy war eine Zeit lang schlechter als ihr Ruf. Derzeit ist sie besser", sagt Frohn-Bernau. Nun finde ein Reinigungsprozess statt, der die Spreu vom Weizen trenne. Darunter leide zwar im Moment die ganze Branche, aber nur so könne auf dem Neuen Markt eine gesunde Mitte entstehen. Die Konsolidierungsbewegung ist auch an Dooyoo nicht spurlos vorbeigezogen. Vor wenigen Tagen entließ das Unternehmen 13 Mitarbeiter in Berlin sowie zwölf weitere im übrigen Europa. "Die Anforderungen des Finanzmarkts haben diesen Einschnitt notwendig gemacht", erklärt Frohn-Bernau. Dooyoo müsse jetzt noch schneller profitabel werden, als es ursprünglich geplant war. Diese Entscheidung habe ihm aber auch bewusst gemacht, wie hart das Unternehmerleben manchmal sein kann. "Ich habe in der Nacht vorher nicht schlafen können", sagt der Firmengründer. "Da musst du Mitarbeiter entlassen und gleichzeitig Energie und Optimismus versprühen, um das restliche Team mitzuziehen."

Energietanken und Entspannen steht für ihn am Wochenende auf dem Programm: "Der Samstag ist mir heilig. Da mache ich meine Wäsche, erledige alle Einkäufe und gehe dann in Mitte ausgiebig frühstücken." Im Sommer fröhnt Frohn-Bernau seiner Segelleidenschaft. Er liebt Sonne, gutes Essen, Wein und Spanien. "Die südländische Lebensart hat es mit angetan." Deshalb möchte er auch irgendwann nach Madrid zurück.

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