Wirtschaft : Berliner Köpfe: Ein Werbestratege will hoch hinaus

Daniel Rhee-Piening

"Ich bin nach Berlin gekommen, um das Großstadtleben zu genießen, ich kam ja aus der Provinz", sagt Peter Peschel, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter von DieMediaFabrik - und lacht: "Verglichen mit dem, was sich heute in der Stadt tut, ist das damalige West-Berlin auch Provinz." Verändert hat sich in den Jahren aber auch Peter Peschel: Aus ihm ist inzwischen ein seriöser Kaufmann geworden.

Seine DieMediaFabrik hat sich auf die Vorbereitung und Realisierung von Werbekampagnen spezialisiert. "Wir helfen bei der optimalen Ausnutzung der Etatmittel", präzisiert Peschel. Die Arbeit einer Mediaagentur, betont er, unterscheide sich ganz grundsätzlich von der Arbeit einer Medienagentur. Es geht darum, den Überblick über rund 350 deutsche Tageszeitungen, 30 Wochen- und Sonntagszeitungen oder beispielsweise die rund 200 bundes-, landes- oder regional-verbreiteten Pogramme von Hörfunk- und TV-Sendern im Auge zu behalten. Es gilt die Standorte für Plakate auszuwählen. Während die Medienagenturen sich Gedanken über den Inhalt machen, liegt es in Peschels Händen, wie die Werbung geschaltet wird.

"Es ist ein kaufmännisches Geschäft, wir verwalten das Geld", beschreibt er seine Arbeit. Und seine Gesellschaft verwaltet eine ganze Menge Geld. Das Werbevolumen, das sie steuert, lag 1999 noch rund bei zehn Millionen Mark, im vergangenen Jahr waren es schon 40 Millionen Mark, und in diesem Jahr soll es auf mindestens 45 Millionen Mark steigen - und dies, sagt Peschel, sei "nur eine vorsichtige Schätzung". Zu den 45 Kunden der DieMediaFabrik zählen etwa das Stilwerk mit Kaufhäusern in Berlin, Hamburg und Düsseldorf, die Verbundnetz Gas AG in Leipzig oder die zur Metro-Gruppe gehörende Primus Auktion GmbH. "Wir sind ein mittleres Unternehmen, allerdings auf dem Weg in die 1. Bundesliga", sagt Peschel, der in seiner Freizeit gern Fußball spielt. Das zeigt sich auch an der Zahl der Beschäftigten. Waren es im vergangenen Jahr noch zehn, soll ihre Zahl im laufenden Jahr auf 15 steigen.

Geboren wurde Peschel 1962 in Wickede-Ruhr. Nach dem Abitur machte er die Offiziersausbildung bei der Bundeswehr und kam 1987 nach Berlin, wo er eine Ausbildung als Verlagskaufmann im Springer-Konzern absolvierte. Von 1991 bis 1993 leitete Peschel das Ressort Media der Sisyphos Werbeagentur, 1993 machte er sich als freier Medienberater selbstständig. Als das Geschäft immer besser lief, gründete er 1997 zusammen mit Andres Kinsky DieMediaFabrik, Agentur für Mediaberatung GmbH. Der Sitz in Mitte wurde nicht zufällig gewählt, "die kreativen Agenturen, die hier sitzen, sind unsere strategischen Partner", sagt Peschel, der konsequenterweise auch in Prenzlauer Berg wohnt.

Noch einmal kommt er auf das alte West-Berlin zu sprechen. "Hier in Mitte spürt man die Dynamik und die Aufbruchstimmung, die Nörgler und Besitzstandswahrer sind vor allem in den westlichen Bezirken noch überproportional vertreten", kritisiert er. Ihn stört auch der Ton in den Geschäften und das Niveau der Dienstleistungen. "Gerade als Dienstleister merkt man diese Defizite sehr schnell."

Doch Peschel beschränkt sein Leben keineswegs nur auf die östlichen Bezirke. Wenn Peschel eine Currywurst ist, tut er dies am Wittenbergplatz. Dort gibt es Currywürste aus Neulandfleisch. "Ich esse fast ausschließlich ökologisches Fleisch und nur Eier von freilebenden Hühnern", sagt er und bezeichnet sich als Semi-Vegetarier. "Es geht mir weniger um die Gesundheit als vielmehr um die Tiere und die Art ihrer Haltung", erläutert er. So ist es konsequent, dass er sich auch für den Tierschutz einsetzt, sein Unternehmen spendet regelmäßig. Zu Hause hat Peschel - typischer Berliner - einen Hund.

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