Wirtschaft : Berliner Köpfe: Mirko Pawlak: "Ich habe Probleme mit Zufriedenheit"

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"Wir wollten unbedingt die Stadt zu Füßen haben", sagt Mirko Pawlak. Am 1. Dezember ist er deshalb mit seinem elfköpfigen Team von Mitte in den 26. Stock des Treptowers umgezogen. Dort ist Platz genug, denn bis Ende 2001 soll die Zahl der Mitarbeiter auf 30 steigen. Pawlak ist Vertriebsleiter Deutschland bei Llynch und als Niederlassungsleiter für den Aufbau des Berliner Büros zuständig. Die Hamburger Llynch Meta Medien GmbH, seit Anfang 2000 im Geschäft, entwickelt und vertreibt Software für das Management von E-Mails. Dabei geht es nicht nur um die Verwaltung und Verarbeitung eingehender elektronischer Nachrichten, sondern auch um den Einsatz von E-Mails als Marketinginstrument. Die elektronischen Kommunikationswege zu beherrschen, sei ein Muss für jedes Unternehmen, sagt Pawlak. "Die x-te kostenlose Service-Idee im Internet, auf so etwas würde ich mich gar nicht einlassen."

Pawlak ist 1964 in Altlandsberg bei Berlin geboren und in Brandenburg zur Schule gegangen. Er wollte Journalist werden. Die entsprechende Ausbildung zu DDR-Zeiten bot die Sektion Journalistik an der Uni Leipzig, auch das "rote Kloster" genannt. Pawlak studierte dort bis zum Sommer 1989. Dann stand er vor dem obligatorischen Praktikum, doch zu dieser Zeit konnte er sich schon nicht mehr vorstellen, Journalist zu werden. "Ich gehöre zu sehr zu den Querdenkern, als dass ich es akzeptieren konnte, schlicht Informationen durchzureichen."

Pawlak kehrte zurück nach Brandenburg und fuhr ein Jahr lang morgens um drei Uhr Milch aus. "Ich musste einen Job finden und die Auswahl war nicht groß." Immerhin habe er sich wegen des Kistenschleppens das Fitnesstraining sparen können. 1990 folgte er einer Frau nach Berlin und fand Arbeit als Dekorateur. 1991 wechselte er zu der Veranstaltungsagentur, die den "Franz-Club" im Prenzlauer Berg betrieb. Er leitete das Büro des Jugendmusikclubs, betätigte sich zwischendurch als Türsteher und war verantwortlich für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Bei dieser Arbeit lernte er, wie hilfreich Software bei Organisation und Marketing sein kann. Er ließ sich zum Medientechniker fortbilden.

"Als mein Sohn 1995 zur Welt kam, sagte meine Frau, jetzt ist Schluss mit der Kunst, jetzt musst du etwas Vernünftiges machen." Für ihn sei es ein logischer Schritt gewesen, in die Informationstechnikbranche einzusteigen. Er begann im Vertrieb eines großen amerikanischen Herstellers und eröffnete für die Firma Powersoft eine Geschäftsstelle in Berlin. Die Firma holte Pawlak jedoch schon bald nach Düsseldorf. Allerdings hielt er es dort nicht lange aus. "Es war einfach zu ruhig." Ein Jahr später war er zurück in Berlin und begann wieder, diesmal als Geschäftsführer der Firma Powernow, einen Softwarevertrieb in Berlin aufzuziehen. "Ich leiste gern Aufbauarbeit", sagt Pawlak. Doch nach zwei Jahren sei das Thema Powernow für ihn ausgereizt gewesen. "Wenn die Flexibilität von Unternehmen auf der Strecke bleibt, dann macht die Arbeit keinen Spaß mehr", sagt er. Sicherheitsdenken sei ihm fremd. "Ich habe ein Problem mit Zufriedenheit. Sich zurücklehnen - diesen Zustand möchte ich einfach nie erreichen." Jetzt leistet er wieder Aufbauarbeit in Berlin. Und wenn die Dinge einmal ins Stocken kommen: "Ich kann richtig berlinerisch fluchen, wenn es nicht schnell genug vorangeht." Für Hobbys, sagt Pawlak, habe er keine Zeit, die Wochenenden gehören seiner Familie.

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