Wirtschaft : Berliner Köpfe: Nur noch im Flugzeug

Daniel Rhee-Piening

Mitte Dezember fliegt Nicholas Stephens mit Frau und vier Kindern für drei Wochen nach St. Vincent in der Karibik. "Der erste Urlaub seit Jahren, und ein Urlaub, back to the roots", sagt er. Stephens, Geschäftsführender Gesellschafter der Hightech Metallbau GmbH, wurde 1961 in London geboren. Seine Mutter stammt aus Berlin, studierte in der britischen Hauptstadt Sprachen und lernte dort seinen Vater kennen, der von St. Vincent kommt.

Nicholas Stephens ist in England zur Schule gegangen und zog 1977 zur Großmutter, die in Berlin eine Fleischerei betrieb. Sie bestand resolut darauf, dass der Junge etwas Anständiges lernte. Stephens hatte sich schon in den englischen Schulen auf den technischen Bereich konzentriert und entschied sich für eine Lehre als Metallbauer. Er fand eine Stelle als technischer Zeichner in einem Konstruktionsbüro und ging nebenher vier Jahre lang, drei Abende in der Woche, auf die Technikerschule. 1986 hatte er seinen Abschluss als staatlich geprüfter Hochbautechniker in der Tasche. Doch sein Chef wollte mehr aus dem jungen Mann machen, und Stephens besuchte in den folgenden anderthalb Jahre die Meisterschule. Der Einsatz hat sich gelohnt: Danach avancierte er zum Leiter des Büros.

Die Wende in Ostdeutschland brachte auch für ihn eine Wende. Er wechselte von der Technik in den Vertrieb, ging zu einem Systemhersteller von Fassadenprofilen. Nächste Station war ein Produktionsbetrieb mit 140 Mitarbeitern in Neufahrland. Auch hier war Stephens für den Vertrieb zuständig. "Unter anderem haben wir an großen Bankgebäuden in Russland mitgebaut", erzählt er. Doch eines wurde ihm auf den vielen Stufen seiner Karriereleiter bald klar: Er erwirtschaftete ansehnliche Erträge, doch die flossen in andere Taschen. Stephens zog die Konsequenz und machte sich 1997 als Berater mit den Schwerpunkten Projektsteuerung und Vertriebsplanung selbstständig. Einer seiner Kunden war eine italienische Firma, die Aluminiumprofile herstellte. "Ich habe von Hamburg aus deren Vertriebsnetz aufgebaut, saß nur noch im Flugzeug und habe am Schluss 100 Prozent für die aufgewendet", sagt Stephens. Die Selbstständigkeit war de facto dahin.

Die Entscheidung fiel schnell. Über Annoncen in Fachzeitschriften wurde ein Metallbaubetrieb gefunden, der einen neuen Eigentümer suchte. Am 1. Juli des vergangenen Jahres startete Stephens mit seiner Hightech Metallbau GmbH. Hightech kommt nicht von ungefähr. Fassadenteile oder Fensterrahmen sind heute technisch hochwertige Produkte. Wärmedämmung, Lüftung, Brandschutz spielen eine Rolle. Daneben stellt Hightech auch so genannte Rohrlichtschächte her. Röhren, die, wie beispielsweise auch am Potsdamer Platz, natürliches Licht unter die Erde in den S-Bahnhof leiten. 30 Mitarbeiter arbeiten in den Hallen von Hightech in Köpenick, im diesem Jahr sollen vier Millionen Mark Umsatz und natürlich Gewinne erwirtschaftet werden. "Wir sind ein echter Mittelständler, für die ganz Großen sind unsere Projekte zu klein", beschreibt Stephens die Nische, die Metallbau gefunden hat.

Doch Ausdauer und körperliche Fitness braucht er. Seit Jahren spielt Stephens Squash und seit Jahren läuft er Marathon. "Im kommenden Jahr werde ich 40, da nehme ich am Marathonlauf in London teil - auf Sieg", scherzt er.

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