Wirtschaft : Berliner Köpfe: Revoluzzer per Mausklick

Dagmar Rosenfeld

Blond, blauäugig und ein spitzbübisches Lächeln um die Mundwinkel - so sieht der Mann aus, der mit nur einem Tastendruck die Unternehmenswelt der Berliner Internet-Agentur Pixelpark auf den Kopf gestellt hat. Die E-Mail, die Olaf Hofman, Leiter des Hauptstadtüros von Connex.av, im Februar verschickte, entfachte bei Pixelpark die Diskussion um betriebliche Mitbestimmung. "Erfolg in der New Economy umfasst weit mehr als betriebswirtschaftliche Kriterien. Wir reden von verbindlichen Mitbestimmungsstrukturen. Von einem Betriebsrat!", hieß es in dem Brief an die 1500 Mitarbeiter. "Heute wird bei Pixelpark betriebliche Mitbestimmung nicht mehr diskutiert, sondern gelebt", sagt Hofmann. Am 11. Mai hat der Betriebsrat die Arbeit aufgenommen.

Connex.av wurde 1999 von der IG Medien und der Deutschen Angestelltengewerkschaft als Interessenvertretung für Medienschaffende im privaten Rundfunk, Film und Internet gegründet. Als Projektleiter betreut Olaf Hofman unter anderem die Belegschaft der Pro 7 Sat 1 Media AG, des Nachrichtensenders N-TV und der Filmstudios Babelsberg. "Seit es in der New Economy kriselt, wenden sich auch vermehrt Mitarbeiter aus den Start-ups an uns", erzählt Hofmann. Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, mache nun auch die jungen Kreativen für die alten Formen der Mitbestimmung empfänglich.

Um die individualistische Klientel der Multimedia-Branche zu erreichen, präsentiert sich Connex.av als dynamische Organisation. "Wir haben uns von der schwerfälligen Arbeitsweise der Gewerkschaften verabschiedet", sagt Hofman. E-Mails statt Flugblätter, freche Sprüche statt monotoner Propaganda - so will Hofman Gewerkschaften in der New Economy salonfähig machen. Nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch in der Chefetage. Er ist überzeugt, dass ein Betriebsrat der beste Berater für ein Unternehmen ist. "Mitbestimmung erspart McKinsey", lautet seine Devise.

Gewerkschaftlich engagiert ist der gebürtige Hanseat schon seit fast zehn Jahren. Während seines Ingenieursstudiums arbeitete er als Kartenabreißer und Eisverkäufer in einem Hamburger Kino, das Anfang der 90er von der Cinemaxx-Gruppe gekauft wurde. "Ab sofort stand nur noch Kostenreduktion auf dem Programm", erinnert sich Hofman. So habe die neue Geschäftsführung als erstes den kostenfreien Personalverzehr gestrichen. "Plötzlich sollte ich als Mitarbeiter 2,50 Mark für eine Cola bezahlen", empört er sich noch heute. "Das wollten wir uns nicht gefallen lassen." Um der Belegschaft Gehör zu verschaffen, gründeten er und seine Kollegen einen Betriebsrat.

Hofman machte dann mit der betrieblichen Mitbestimmung Karriere: Beim Aufbau eines Gesamtbetriebsrates für alle Cinemaxx-Kinos war er an vorderster Front aktiv und koordinierte als Chef des Wirtschaftsausschusses die Aufsichtsratswahlen. Offenbar leistete er so gute Arbeit, dass die IG Medien bei ihm anfragte, ob er nicht die Projektleitung von Connex.av in Berlin übernehmen wolle. Hofman sagte zu, auch wenn er dafür sein Studium abbrechen musste - das aber hat er bis heute nicht bereut.

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