Wirtschaft : Berliner Multi-Media-Gesellschaft sucht neues Profil als reine Beteiligungsgesellschaft

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Innerhalb von zwei Jahren der zweite Wechsel in der Geschäftspolitik: Nachdem die Cybermind AG vergangenes Jahr zur Holdinggesellschaft umgebaut worden war, will sich die Berliner Multi-Media-Gesellschaft bis zum Jahresende zur "ersten reinen Internet-Beteiligungsgesellschaft mit Börsennotierung in Deutschland" wandeln. Dabei wolle man sich auf neu gegründete Internet-Unternehmen mit hohen Wachstumschancen konzentrieren, sagte der Vorstandsvorsitzende Holger Timm am Donnerstag auf der Hauptversammlung. Cybermind will dann als "verlässlicher Partner" beim Börsengang behilflich sein, ihre Beteiligung jedoch erst deutlich später verkaufen, um "die volle Wertschöpfung unserer Investitionen zu erleben", wie Timm sagt. Cybermind ist derzeit schon an zehn Gesellschaften beteiligt.

In der neuen Beteiligungsgesellschaft soll es kein operatives Geschäft mehr geben, lediglich die Soft- und Hardware-Tochter Cyberspace soll noch im Vertrieb tätig sein. Die Tochter Cybermind Café Operations wird verkauft. Folgen hat die Umstrukturierung auch für die Firmenspitze: Unternehmensgründer Timm, mit seinem Bruder zusammen Cybermind-Mehrheitsaktionär, wird zum Jahresende den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Der Vorstand soll von drei Mitgliedern auf eines reduziert werden.

Mit der Umstrukturierung soll der Börsenkurs gesteigert werden, der laut Timm "deutlich unterbewertet" ist. So betrage die aktuelle Marktkapitalisierung etwa 120 Mill. DM, allein der Wert der Beteiligungen liege aber bei über 200 Mill. DM. Seit der letztjährigen Hauptversammlung habe die Aktie 45 Prozent an Wert verloren. Das Unternehmen baute 1998 unter anderem wegen außerordentlicher Erträge aus Beteiligungsverkäufen den Verlustvortrag um 1,1 Mill. DM auf 1,6 Mill. DM ab. Ausgewiesen wurden Einnahmen von 6,3 Mill. DM, 0,3 Mill. DM mehr als im Vorjahr. Für dieses Jahr rechnet Timm mit einem Verlust von drei Mill. DM.

Einer auf der Hauptversammlung veröffentlichten Studie des Research-Büros Invera, Paderborn, zufolge soll Cybermind jedoch schon im kommenden Jahr einen Jahresüberschuss von rund zehn Mill. DM erreichen. Aktien-Empfehlung: Kaufen, Kursziel 47 Euro in neun Monaten. Momentan steht die Aktie bei etwa 35 Euro.

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