Berliner Postdienstleister Pin Mail AG : Pin AG sichert sich Berlins Millionenauftrag

Der Berliner Dienstleister Pin Mail AG darf weiter die Behördenpost befördern. Zum dritten Mal in Folge gewann das Unternehmen die europaweite Ausschreibung des Landes. Die Grünen sehen jedoch „Schatten auf dem Vorgang“.

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Sie haben Post: Pin Mail.Foto: dpa

Berlins Behörden und Gerichte werden ihre Strafzettel und Bescheide auch künftig über den Berliner Postdienstleister Pin Mail AG verschicken. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, gewann es zum dritten Mal in Folge die entsprechende europaweite Ausschreibung des Landes. Nach Angaben der zuständigen Senatsinnenverwaltung gab es noch zwei weitere Bewerber.

Das jüngste Vergabeverfahren habe sowohl Leistungs- und Qualitätskomponenten berücksichtigt, „der Preis ist dabei der ausschlaggebende Faktor“, erklärte Pin. Das jährliche Volumen des Auftrags umfasse „deutlich mehr“ als zehn Millionen Euro. Zur Orientierung: 2012 beförderte Pin 27 Millionen Briefe für das Land. Auf der Basis erhielte Pin also mindestens 37 Cent je Brief. Der Vertrag gilt ab 1. November für ein Jahr, das Land kann ihn einseitig maximal drei Mal ohne neue Ausschreibung verlängern – also bis zum Herbst 2018.

Die 1999 gegründete Firma war lange für ihre Niedriglohnpolitik bekannt, erklärte aber nun, dass die Einstiegslöhne „schon länger deutlich jenseits der künftigen Mindestlohnhöhe“ lägen. Der Gewinn der Ausschreibung würde 300 der etwa 1150 Arbeitsplätze sichern. Für Kritik hatte auch die Berufung des ehemaligen Innenstaatssekretärs Ulrich Freise (SPD) in die Geschäftsführung vor zwei Jahren gesorgt. Freise hatte zuvor die Aufsicht über das Landesverwaltunsgamt, das die Ausschreibung der Postdienste betreut. Er hat Vorwürfe der Verquickung stets zurückgewiesen und auch die Behörde sieht offiziell kein Problem, da Freise nicht mehr in der Geschäftsführung der Pin Mail AG sitzt – sondern Chef der Tochter Pin Services GmbH ist. Laut Behörde war Freise nicht in die Ausschreibung involviert. „Aber allein der Anschein, die Beschäftigung des ehedem für die Vergabe Zuständigen sei erfolgt, um sich den Auftrag Berlins zu sichern, wirft einen Schatten auf den Vorgang“, sagte Dirk Behrendt, rechtspolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, am Freitag.

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