Berliner Schnäppchenjäger : Daily Deal verscherbelt sich selbst an Google

Die Brüder Heilemann verkaufen ihr Berliner Schnäppchenportal Daily Deal an Google. Vielleicht gerade rechtzeitig. In der Branche wachsen die Zweifel, ob sich das Geschäftsmodell auf Dauer rentiert.

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Schnell zum Erfolg. Fabian Heilemann (links) und sein jüngerer Bruder Ferry haben die Firma erst vor zwei Jahren gegründet.
Schnell zum Erfolg. Fabian Heilemann (links) und sein jüngerer Bruder Ferry haben die Firma erst vor zwei Jahren gegründet.Foto: Daily Deal

Normalerweise kostet die Zahnreinigung in der Praxis des Berliner Zahnarztes Rainer Müller 75 Euro. Internetaffine Schnäppchenjäger konnten ihre Prophylaxe am Montag für 25,90 Euro bekommen – über Daily Deal. Die Berliner Internetfirma bietet Rabattgutscheine für viele Bereiche des täglichen Lebens. Reisen, Restaurants, Autowäschen, Massagen oder Fahrräder gibt es hier für kurze Zeit um bis zu 90 Prozent billiger – vorausgesetzt, es machen genug Konsumenten mit. Doch den größten Deal hat die Firma jetzt selbst an Land gezogen.

Am Montag teilte Daily Deal mit, dass der Internetmulti Google das Start-up-Unternehmen gekauft hat. Zwischen 150 und 200 Millionen US-Dollar soll der US-Internetkonzern für Daily Deal bezahlen, heißt es in Branchenkreisen – bestätigt wurde die Zahl nicht. Auch die beiden Gründer, der 29-jährige Fabian Heilemann und sein vier Jahre jüngerer Bruder Ferry, schweigen über den Kaufpreis, räumen aber ein, dass es „unser bisher bester Deal“ sei.

Google lobte am Montag die „unglaubliche Erfolgsgeschichte“ von Daily Deal. Die GmbH wurde vor zwei Jahren von den Brüdern Heilemann gegründet. Aus dem Zwei-Mann-Unternehmen ist inzwischen eine Firma mit 200 Mitarbeitern geworden. Die Zentrale liegt in Prenzlauer Berg, zudem gibt es eine Dependance in Wien. Das Start-up-Unternehmen bietet derzeit in über 90 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz lokale Rabatte an. Das Prinzip ist einfach: Die Angebote werden für kurze Zeit im Internet veröffentlicht, finden sich genügend Interessenten, kommt der Deal zustande, und der Nutzer erhält einen Rabattgutschein. Das Geschäft wächst, sagte Kai Herzberger, der bei Daily Deal für das Marketing zuständig ist, dem Tagesspiegel. Im zweiten Quartal dieses Jahres habe man Gutscheine im Wert von 22,8 Millionen Euro verkauft – verglichen mit dem ersten Quartal ein Plus von 45 Prozent. Zudem habe man über 2000 neue Werbepartner, die Rabatte anbieten, gewinnen können. Schwerpunkt des Geschäfts ist Berlin. „Immer mehr Menschen gehen online, um die für sie aktuellsten, relevantesten Angebote zu finden“, begründet Kay Oberbeck, Sprecher von Google Deutschland, den Deal, „wir wollen die Konsumenten dabei unterstützen, die besten lokalen Angebote zu erhalten.“

Doch in der IT-Branche wachsen die Zweifel daran, ob sich die Rabatte für die Gutscheinanbieter auf Dauer rentieren und die Kunden diesen Firmen die Treue halten. Auch die Internetportale, die die Kontakte vermitteln, verzeichnen zwar steigende Umsätze, machen aber bisher überwiegend Verluste. So musste Marktführer Groupon der US-Börsenaufsicht für 2010 ein Minus von 413 Millionen Dollar und für das zweite Quartal dieses Jahres einen Verlust von 114 Millionen Dollar melden. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ will das US-Unternehmen seinen Börsengang verschieben. Auch Daily Deal schreibt rote Zahlen, räumt Herzberger ein. Facebook hat seinen Schnäppchendienst „Deals“ ganz auf Eis gelegt.

Das alles scheint Google aber nicht zu schrecken. Der Internetkonzern hatte Ende 2010 vergeblich versucht, Groupon für geschätzte sechs Milliarden Dollar zu übernehmen. Nachdem das gescheitert war, begann Google, seinen eigenen Schnäppchendienst aufzubauen. „Google Offers“ ist derzeit für neun Städte in den USA verfügbar, eine Verschmelzung mit Daily Deal scheint jedoch nicht geplant zu sein. Anfang dieses Monats gab der Konzern zudem die Übernahme des US-Restaurantführers Zagat bekannt.

Wie Google glaubt auch der Branchenverband Bitkom an das Geschäft mit Rabattcoupons. „Schnäppchenportale werden viel genutzt“, gibt Sprecher Maurice Shahd zu bedenken, „einen Markt für Schnäppchen gibt’s immer.“

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