Berliner Schnitt : Wie sich Friseure auf den neuen Mindestlohn einstellen

Ab 2015 soll Friseuren ein einheitlicher Mindestlohn garantiert sein. Was das für die Berliner Salons, ihre Mitarbeiter und Kunden bedeutet. Eine Reportage.

Bojan Jurczyk
Vor leeren Stühlen. Friseur Reichel fürchtet um seinen Arbeitsplatz.
Vor leeren Stühlen. Friseur Reichel fürchtet um seinen Arbeitsplatz.Foto: Bojan Jurczyk

Robert Reichel glaubt nicht an den Mindestlohn. Der junge Friseur verdient nur 5,60 Euro netto die Stunde, doch er hat Angst, dass ihn der höhere Lohn den Job kosten könnte. „Ich befürchte, dass viele Friseur-Ketten dann auf ungelerntes Personal oder Leiharbeiter umstellen.“ Reichel arbeitet für die Ost-Berliner Kette Stefanie Bumann in Prenzlauer Berg. Ein Herren-Haarschnitt kostet hier acht Euro. Wenn es gut läuft, schneidet Reichel die Haare von fünf bis sechs Kunden pro Stunde. „Für einen Laden im unteren Preissegment verdiene ich schon relativ gut“, sagt er. Dass der Preiskampf ein Ende findet, glaubt er nicht. „Statt arbeitslos zu werden, würde ich lieber ohne Mindestlohn weitermachen.“

Eine Wahl hat er nicht, der Mindestlohn kommt. Am Montag hat sich die Branche, wie berichtet, auf eine bundesweit einheitliche Lohnuntergrenze von 8,50 Euro ab August 2015 geeinigt. Ein Stundenlohn von 6,50 Euro gilt in Ostdeutschland bereits ab August dieses Jahres. Neben den Innungsbetrieben wollen sich auch Ketten dazu verpflichten.

Nur wenige Meter von Reichels Arbeitsplatz entfernt kostet der Haarschnitt deutlich mehr. Im Salon Grünton an der Eberswalder Straße bezahlt man 18 Euro, dafür nimmt sich der angestellte Friseurmeister Jan Simon mehr Zeit. „Ich finde den Mindestlohn sehr gut, aber damit sich mein Nettolohn merkbar verbessert, bräuchte ich zehn Euro die Stunde.“

Eileen Scharf vom Friseurladen Locke & Glatze am Zionskirchplatz sieht das ähnlich: „8,50 Euro ist für uns nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt die junge Mutter. „Wenn man nicht Vollzeit arbeitet, muss man trotzdem noch beim Amt aufstocken.“ Und ihr Kollege Florian Siems ergänzt: „Für Friseure in Lichtenberg oder meiner Heimatstadt Rostock ist ein Mindestlohn aber sicher wichtiger als in Mitte.“

Diese Vermutung bewahrheitet sich im House of Hair in der Nähe des Hackeschen Markts. Bei Preisen von 30 bis 40 Euro für einen Herrenschnitt erhält Gesellin Linda Weckert zehn Euro brutto die Stunde. „Für einen Lohn unter sechs oder 8,50 Euro würde ich gar nicht arbeiten“, sagt sie. Eine Frage, die sich Thomas Hey, der in einem Cut & Go-Salon am Alexanderplatz arbeitet, täglich stellt: „Für mich wäre der Mindestlohn ein Riesensprung“, sagt der Friseur. Dass es dadurch eventuell zu einer Preiserhöhung kommen könnte, würden die Kunden sicherlich verstehen.

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