Wirtschaft : Berliner Senat: Eigentum erwünscht

Bernd Hettlage

Lob für eine landeseigene Berliner Bank ist selten in diesen Tagen. Umso mehr wird sich die Investitionsbank Berlin (IBB) über ihren Kunden Faruk Sugünes freuen. Die Kooperation mit der Bank sei optimal gewesen, bedankt sich der 28jährige Industriemechaniker überschwenglich. Innerhalb von vier Tagen hätte er eine Bewilligung auf Förderung gehabt, bereits fünf Wochen nach der Antragstellung sei Geld geflossen.

Die Rede ist vom Bestandserwerb. Mit dem fördert das Land Berlin den Kauf von Wohnungen durch Mieter. Voraussetzung: Die Wohnung ist seit mehr als zwei Jahren auf dem Wohnungsmarkt und seit mehr als einem vermietet. Zudem müssen die neuen Eigentümer sie selbst nutzen und spätestens sechs Monate nach dem Erwerb einziehen. Faruk Sugünes erfüllt beide Bedingungen. Im Juli hat er eine 3-Zimmer-Wohnung in der Antwerpener Straße in Wedding gekauft, die der alte Eigentümer bisher vermietet hatte. Zum 31. Dezember zieht der jetzige Mieter aus und Sugünes kann mit seiner Familie ins neue Zuhause.

Die Wohnung in der Antwerpener Straße hat er im Internet gefunden. Das Amtsgericht Wedding hatte sie zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Den Tip mit der Förderung durch die IBB gab ihm ein Freund. 30 Millionen Mark stehen der Bank dazu in diesem Jahr zur Verfügung, rund 450 Erwerbsförderungen gab es bisher. 400 weitere könnten 2001 noch bewilligt werden, gibt IBB-Pressesprecher Frank Hadamczik an.

Die Richtlinie für Bestandserwerb gibt es seit zwei Jahren. Das Land will damit die Eigentumsquote fördern, denn Berlin ist nach wie vor eine Mieterstadt. Der Eigentumsanteil ist mit elf Prozent niedriger als in vergleichbaren Großstädten. 20 Prozent sollten es nach dem Willen des alten Senats mindestens werden. 620 Bewilligungen für den Bestandserwerb gab es im letzten Jahr.

Die IBB vergibt dabei an die so genannten "Fördernehmer" Darlehen für einen Teil des Kaufpreises der Wohnung. Das Geld dazu besorgt sie sich auf dem Kapitalmarkt - momentaner Zinssatz: fünf bis sechs Prozent. Diesen Zins subventioniert das Land, darin besteht die Förderung. Zehn bis 16 Jahre läuft die Verbilligung insgesamt, dann muss der Fördernehmer wieder den Zins vor der Subvention bezahlen. Nach 20 Jahren muss er sich auf die marktüblichen Konditionen einstellen. Ob er dann bei der IBB bleibt oder zu einer anderen Bank wechselt, kann er selbst entscheiden.

Zinsverbilligung und jährliche Tilgungsrate des Förderdarlehens hängen von der Anzahl der Kinder und dem Einkommen der Antragsteller ab, welches man mit einer Angemessenheitsbescheinigung des Wohnungsamts nachweisen muss. Faruk Sugünes beispielsweise zahlt ein Prozent Zins bei 1,5 Prozent Tilgung für seinen Kredit. Ein Prozent Zinsermäßigung erhält er für zwei Kinder, 0,5 Prozent pro Kind. Mit seinem Einkommen stufte man ihn in die so genannte Klasse K 1 ein. Dabei darf der Antragsteller bis zu 30 Prozent über einem Bruttoeinkommen von 49 000 Mark liegen. Abgerechnet sind dabei schon die Werbungskosten und pauschal je zehn Prozent für Steuer, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Vier Einkommensklassen gibt es, bei der höchsten, K 4, darf man bis zu 90 Prozent über der 49 000-Mark-Grenze liegen.

Die IBB fördert mit ihrem Kredit bis zu 1800 Mark pro Quadratmeter. Für die Differenz zum Kaufpreis müssen die Antragsteller Eigenkapital aufweisen oder sich weitere Darlehen besorgen - Bausparverträge etwa, Hypothekenkredite oder ein Förderergänzungsdarlehen der IBB. Die Bank fördert auch nicht die gesamte Wohnfläche. Würde ein Ehepaar ohne Kinder etwa eine 75 Quadratmeter große Wohnung für 165 000 Mark kaufen - also zu einem Preis von 2200 Mark pro Quadratmeter - würden 60 Quadratmeter mit je 1800 Mark gefördert. Das sind 108 000 Mark, etwa 65 Prozent des Kaufpreises. Mit jedem Kind steigt die Förderung noch einmal an.

Faruk Sugünes bekommt sogar zwei Kinder angerechnet, obwohl das eine noch gar nicht auf der Welt ist: Seine Frau ist im siebten Monat schwanger. Nach der Geburt werden die anderthalb Zimmer in der Weddinger Müllerstraße, in denen sie bisher wohnen, endgültig zu klein. Doch in der Antwerpener Straße warten ja bereits 107 Quadratmeter auf die junge Familie.

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