Berliner Solarunternehmen : Solon steht vor der Zerschlagung

Ein arabischer Investor will die Substanz des insolventen Berliner Solarunternehmens Solon erhalten. Eine "Planinsolvenz", um die ganze Gruppe fortzuführen, ist wohl kein Thema.

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Im Überlebenskampf des Berliner Solarunternehmens Solon zeichnet sich eine Aufteilung des insolventen Konzerns ab. Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg hatte Interessenten eine Frist bis kommenden Dienstag gegeben, um ein Angebot für Solon abzugeben und die Zahl der Interessenten bereits auf sechs beziffert. Davon hat sich bisher aber nur ein Investor aus der Deckung gewagt: Das von Indern geführte Solarunternehmen Microsol International mit Sitz in einer Freihandelszone im kleinen arabischen Emirat Fudschaira.

Dieses hat nach Tagesspiegel-Informationen aber kein Interesse daran, die ganze Gruppe oder gar Solons Struktur als europäische Aktiengesellschaft SE (Societas Europaea) zu erhalten. Im Fall von Solon gehe es um eine sogenannte „übertragende Sanierung“, bei der lediglich wesentlichen Vermögenswerte gerettet werden sollen, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters gestern erklärte. Eine „Planinsolvenz“, wie sie aktuell etwa bei der Kette Schlecker vorgesehen ist, um die Gruppe als ganze fortzuführen, sei hier nicht beantragt worden.

Microsol hatte vergangene Woche, wie berichtet, beim Bundeskartellamt die Übernahme von Solons Fotovoltaiksparte zur Prüfung und Genehmigung angemeldet – obwohl noch kein Kaufvertrag geschlossen worden ist. Vom Kauf des Projektgeschäfts oder ausländischen Töchtern war keine Rede. Am Montag bestätigte ein Microsol-Manager dieser Zeitung telefonisch, dass er ein Angebot abgegeben hat. „Wir haben ein großes Interesse an Solon“, sagte Chakradhar Vummethala, der den möglichen Kauf koordiniert. Die konkrete Höhe des Angebotes wollte er nicht beziffern, da ja noch andere Interessenten im Spiel sein könnten, wie er sagte.

Sollte sein Unternehmen aber den Zuschlag erhalten, wolle es sich nicht nur die Rechte am Markennamen sichern. „Unser Ziel wäre es, die Substanz von Solon in größtmöglichem Umfang zu erhalten“, sagte Vummethala. Das schließe womöglich auf die Endmontage von Solarmodulen in Berlin und Greifswald ein. Zugleich schloss er aber einen Stellenabbau ausdrücklich nicht aus. „Es wird dann eine Konzentration und Anpassung auf Basis eines Businessplans geben, den Solon und Microsol gemeinsam ausarbeiten“, sagte der Manager weiter.

Der Kurs der Solon-Aktie schoss in den ersten Minuten nach Börsenstart am Montagmorgen um bis zu 128 Prozent in die Höhe. Es war der größte Gewinn in der Geschichte dieses ersten deutschen börsennotierten Solarunternehmens. Bei Handelsschluss notierte das Solon-Papier immerhin noch rund 19 Prozent über dem Freitagskurs bei 0,47 Euro.

Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger riet Aktionären solche durch Zockerei ausgelösten Höhenflüge zu nutzen, um Papiere zu verkaufen – sofern die Verkaufsgebühr nicht höher ist als der Erlös. Vom Nachkauf dieser Aktie könne er aber nur abraten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Solon mit Börsenmantel gerettet wird und damit die Ansprüche von Aktionären befriedigt werden, ist äußerst gering“.

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