Berliner Sparkasse : Mehr als nur ein Sparbuch

Die Berliner Sparkasse will ihr Image aufpolieren. Kompetenz in der Beratung wird ihr nur beim Thema Sparen zugetraut.

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Neuausrichtung bei der Sparkasse. Foto: Tsp
Neuausrichtung bei der Sparkasse. Foto: TspFoto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Berlin - Die Berliner Sparkasse hat ein Imageproblem. Eine Kundenbefragung hat ergeben: Die Sparkasse gilt als sichere Bank, eine grundsolide Adresse fürs Sparbuch oder den Bausparvertrag. Das Jonglieren mit Derivaten oder Immobilienfonds aber traut man ihr nicht zu. „Sparkasse wird heute mit Solidität verbunden, aber Kompetenz in der Beratung wird uns nur beim Thema Sparen zugetraut“, sagt Michael Thanheiser, Leiter des Bereichs Privatkunden der Berliner Sparkasse.

Das soll sich jetzt ändern. Künftig will sich die Sparkasse auch als Ansprechpartner in Sachen Wertpapiere und Geldanlage präsentieren. Dafür bündelt sie ihre Finanzierungsexperten in speziellen Filialen. 68 sogenannte Finanzcenter wird es geben, in denen sich die Kunden von insgesamt 500 Mitarbeitern bei Fragen rund um Altersvorsorge, Bausparen oder Investmentfonds beraten lassen können. Komplexere Fragen etwa zum Ankauf einzelner Aktien, von Zertifikaten oder Staatsanleihen übernehmen die Vermögenscenter, von denen es bislang 22 mit insgesamt 120 Mitarbeitern gibt.

In den alten Privatkundencentern kann man nach wie vor Überweisungen tätigen, Sparbücher eröffnen oder auch Sachversicherungen abschließen. Produkte wie Tagesgeldkonten oder Ratenkredite sollen die Kunden auch verstärkt über das Internet abschließen können. Für die Modernisierung will das Institut bis Ende 2012 einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgeben.

Warum das alles? Die Berliner Sparkasse, mit rund 1,9 Millionen Kunden eine der größten Sparkassen in Deutschland, ist Marktführer in der Hauptstadt. Rund die Hälfte der Berliner halten eine Bankverbindung über Sparbuch oder Geldanlage zur Sparkasse, etwa 42 Prozent haben ein privates Girokonto. Doch der Markt ist stark umkämpft. „Die Kunden haben heute immer mehr Bankverbindungen, sie nutzen auch vermehrt neue Vertriebswege wie das Internet“, erklärt Privatkunden-Chef Thanheiser. Vor allem die Direktbanken, die keine teuren Filialen unterhalten und mit günstigen Konditionen für sich werben, machen den alteingesessenen Instituten zu schaffen.

Verändern soll sich nicht nur die Organisation, sondern auch die Qualität der Beratung bei der Berliner Sparkasse. Beim jüngsten Bankberatertest der Stiftung Warentest hatte das Institut nur eine ausreichende Benotung erhalten. Nur drei von sieben Beratern hatten ihren Kunden das gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokoll ausgehändigt. Aber auch bei der Lösung des Anlageproblems schnitten die Sparkassenberater nur befriedigend ab. „Durch Bündelung und Qualifizierung wollen wir künftig in jedem Geldanlagegespräch eine sehr gute Anlageempfehlung abgeben“, sagt Thanheiser. Es sei klar, dass man nicht in allen Filialen ausgewiesene Experten beschäftigen könne.

Im Zuge der Umstrukturierung schließt das Institut 19 von 176 Privatkundencentern. 200 der insgesamt 2600 Stellen sollen wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Thanheiser aber aus. Viele der betroffenen Mitarbeiter könnten neue Aufgaben im Konzern übernehmen. Ein Teil der Stellen könnte auch über Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen abgebaut werden. Miriam Schröder

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