Wirtschaft : BERLINER SPEZIALITÄTEN

DANIEL WETZEL

Kletterkurse nicht zu erwarten: Analysten sind bei Bekula/Bewag-Aktien zurückhaltendVON DANIEL WETZEL

BERLIN.Die Unternehmensdaten des Berliner Stromversorgers Bewag sollte die Herzen der Anteilseigner erwartungsvoll höher schlagen lassen: Gerade wurde ein fast zehnprozentiger Gewinnsprung bekannt gegeben, die Dividende klettert auf eine DM und nähert sich damit endlich dem Branchendurchschnitt.Nachdem der Verkauf des landeseigenen Aktienpaketes in der vergangenen Woche vom Bundeskartellamt abgesegnet wurde, dürften auch gewisse Erwartungen auf ein shareholder-value orientiertes Management durch den neuen amerikanischen Hauptaktionär Southern Company gerichtet sein.Doch die Analysten der Banken bleiben in Bezug auf die Bewag-Aktie reserviert.Zwar gebe es im Bereich Dividende noch Phantasie, so das Fazit der Anlegerexperten: Mit deutlichen Kursgewinnen sei aber mittelfristig nicht zu rechnen. Kathrin Spanek, Analystin der Bankgesellschaft Berlin, erläutert warum: Im Kerngeschäft der Bewag, dem Stromverkauf, sei der Berliner Markt umsatzmäßig zunächst ausgereizt.Bei mäßigem Marktwachstum ­ oder gar Rückgang - müsse die Bewag aber dennoch Zugeständnisse bei Preissenkungen machen.Tatsächlich wird am kommenden Montag ein neuer, niedrigerer Tarif für die Industrie-Stromkunden verkündet.Wachstumsphantasien könnten also höchstens von den neuen Geschäftsfelder der Bewag herrühren - doch die seien noch zu schwach entwickelt.Im Bereich Telekommunikation, in dem die Bewag einsteigen will, seien zunächst erstmal hohe Investitionen nötig.Nennenswerte Ergebnisse, so die grobe Schätzung der Bankgesellschaft, werden wohl erst ab dem Jahre 2004 zu erwarten sein.Wenn die Bewag ihre Leitungen für Telekommunikationszwecke vermarkten wolle, müßten auch Zweifel erlaubt sein: "Ich habe den Eindruck, daß andere bei der Installation von Citynetzen schon weiter sind", sagte Frau Spanek: "Da weiß ich nicht, ob das lukrativ wird, wenn man das vierte oder fünfte Citynetz anbietet." Interessant seien die neuen Bereiche Facility-Management und das Joint-venture mit Siemens-Nixdorf im Bereich Rechnerdienstleistungen.Doch auch diese Projekte sind in den Augen der Banken noch nicht weit genug entwickelt, um Wachstumsphantasien auszulösen."Unserer Position ist, erstmal abzuwarten", so die Analystin.Daran ändere auch der in der jüngste Gewinnsprung nichts: Er war von den Banken erwartet worden.Die Bankgesellschaft Berlin etwa hatte ein DVFA-Ergebnis pro Aktie von 2,31 DM vorausgesagt ­ was fast genau dem erreichten Wert von 2,29 DM entspricht.Die Commerzbank lag mit einer Prognose zwischen 2,30 und 2,35 DM ebenfalls richtig.Für das kommende Jahr sagen die Banken einen moderaten Anstieg des DVFA-Ergebnisses voraus: Ungefähr 2,40 DM sieht die Bankgesellschaft, 2,50 DM die Commerzbank.Dies - zusammen mit der Dividendenentwicklung - reicht in Augen der Analysten für eine eindeutige Kaufempfehlung nicht aus.Immerhin liegt die Dividende jetzt bei 20 Prozent.Um die branchenüblichen 24 Prozent zu erreichen ­ viele zahlen noch mehr - müßte die Bewag die Ausschüttung bald in Richtung 1,30 DM pro 5-DM-Aktie gehen lassen. Nicht auszuschließen ist allerdings, daß die Bewag die Analysten doch noch durch unerwartet schnelles Wachstum überrascht.So ist noch nicht ausgemacht, welches Rad der neue, die Geschäftsführung maßgeblich mitbestimmende Neu-Einsteiger Southern Company drehen wird.Immerhin steht der US-Konzern in dem Ruf, stark wachstumsorientiert und sehr expansionsfreudig zu sein.Statt auf das innere Wachstum der Bewag zu setzen, sind in absehbarer Zeit Zukäufe und Unternehmensbeteiligungen in Deutschland und den osteuropäischen Nachbarstaaten nicht ausgeschlossen.Wenn sich dadurch für das Unternehmen Synergie-Effekt realisieren lassen, könnte die Börse durchaus wieder auf den Zug springen.

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