Wirtschaft : Berliner Tafel

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer bedankt sich mit einem Dinner bei 40 Berliner Unternehmern.

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Foto: Thilo RückeisFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) setzt einen neuen Akzent bei ihrer Standortförderpolitik und sorgt damit für Stirnrunzeln bei der Opposition im Abgeordnetenhaus. Yzer hat für kommenden Montagabend Spitzenvertreter von 40 Unternehmen zu einem „Dankeschön-Dinner“ ins Restaurant-Café Humboldt Terrassen in der Humboldt-Box am Schlossplatz in Berlin-Mitte geladen. Das sei ein Dank an die Unternehmerinnen und Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen und zum Wachstumskurs der Berliner Wirtschaft beitragen, teilte Yzer am Freitag mit. Ziel sei es auch, dass sich die Beteiligten kennenlernen und austauschen. Die Senatorin wolle mit der Aktion die „Anerkennungskultur in Berlin pflegen“, ergänzte ihr Sprecher Alexander Dennebaum auf Nachfrage. Yzer selbst habe diese Dinner-Idee gehabt.

Auf der Gästeliste stehen jeweils ein Spitzenvertreter jener Unternehmen, die im vergangenen Jahr in Berlin gegründet worden sind – oder ihren Standort nach Berlin verlagert haben oder diesen hier ausgebaut haben. Wer so mindestens 20 Arbeitsplätze in Berlin geschaffen habe, sei zum Dinner eingeladen worden, hieß es. Darunter ist etwa ein Vertreter des Mozilla-Projektes, bekannt für den Internetbrowser Firefox. Mozilla hatte ein Start-Up-Zentrum in Mitte gegründet. Geladen sind auch Vertreter des Gutschein-Portals Groupon, des Online-Reisevermittlers CheapTickets.de, der Druckerei Laserline und des irischen Textildiscounters Primark, der im Schloss-Straßen-Center in Friedenau 2012 seine erste Filiale eröffnet hatte.

Die Damen und Herren wurden gebeten, in Abendgarderobe in der Humboldt-Box zu erscheinen. Sie erwartet Prosecco zur Begrüßung, gefolgt von Carpaccio vom Rind beziehungsweise einem Tomatensüppchen als Vorspeise. Dann will Yzer ein paar Worte zur Begrüßung sagen. Melanie Bähr, die Chefin der Standort-Agentur Berlin Partner, wird die Unternehmen kurz vorstellen. Zum Hauptgang gibt es pochierte Kalbsroulade oder Gemüselasagne für die Vegetarier. Zum Dessert wird Rhabarber-Erdbeer-Kompott gereicht.

Es gibt unterschiedliche Angaben, was die Aktion die Steuerzahler kostet: 25 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer veranschlagt das Restaurant, das zur Berliner Allegretto-Gruppe gehört, pro Person für jedes Menü. Dazu werde eine Getränkepauschale in Höhe von zehn Euro berechnet, verriet das Restaurant dem Tagesspiegel. Ferner fielen Kosten für zusätzliches Personal, die Exklusivreservierung und den Aufbau einer Mikrofonanlage an. Unterm Strich betrage die Rechnung knapp 4000 Euro. Bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft ist indes von „rund 9200 Euro“ aus dem Etat der Berlin Partner die Rede. Die Diskrepanz konnte sich der Sprecher auf Anhieb nicht erklären. Druckkosten für die Einladungskarten vielleicht? Einen Limousinenservice oder dergleichen sei jedenfalls nicht gebucht.

Zumindest bei der Opposition im Abgeordnetenhaus möchte man nun genauer wissen, wie diese Finanzierung zustande kommt – und zweifelt grundsätzlich am Sinn des „Dankeschön-Dinners“. „Ist es in Berlin schon so weit, dass wir Unternehmern den Teppich ausrollen müssen, nur weil sie aus eigenem Interesse ein paar Stellen geschaffen haben?“, fragte Bola Olalowo, der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion. Sicher gebe es in Berlin noch viele Baustellen bei der Standortpolitik, aber die Art und Weise, wie Yzer sich bei den Firmen bedanke, halte er für falsch, sagte er.

Ähnlich argumentierte Olalowos Kollegin von der Links-Fraktion im Berliner Parlament, Jutta Matuschek: „Ich finde es ja im Prinzip richtig, dass man Firmen für ihr lokales Engagement dankt.“ Aber Steuergeld für ein größeres Dinner auszugeben, sei „mehr als fragwürdig“. 4000 oder 9000 Euro mögen dem einen als überschaubarer Betrag erscheinen, sagte sie. „Allerdings kenne ich auch wichtige Projekte in Berlin, die nur 200 Euro beantragt – und nicht erhalten – haben“, erklärte Matuschek.

Bei Yzers Senatsverwaltung hält man Kosten und Nutzen für absolut ausgewogen. „Angesichts der insgesamt 300 Millionen Euro, die im Rahmen von 160 Ansiedlungsprojekten 2012 betreut worden sind, ist das Geld für das Dinner gut investiert“, sagte Yzers Sprecher.

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