Berliner Tourismus : Hohe Auslastung von Kongresszentren und Tagungssälen

Im Kongressgeschäft zählt Berlin zu den weltweit führenden Städten. Da weiterhin viele neue Hotels entstehen, wird die Zahl der Tagungssäle in der Hauptstadt auch in Zukunft wachsen.

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Volle Säle. Zu den meistgebuchten Berliner Tagungsstätten gehört das Estrel Convention Center an der Neuköllner Sonnenallee.
Volle Säle. Zu den meistgebuchten Berliner Tagungsstätten gehört das Estrel Convention Center an der Neuköllner Sonnenallee.Foto: Estrel Berlin

Der Berlin-Tourismus boomt mit der diesjährigen Rekordzahl von mehr als 20 Millionen Übernachtungen – und die Kongressindustrie hat daran einen wachsenden Anteil. Bereits im ersten Halbjahr 2010 stieg die Zahl der Tagungen und Kongresse um 4,7 Prozent auf 53 250 und die Teilnehmerzahl nahm um sechs Prozent auf 4,2 Millionen zu. Noch erfolgreicher verlief laut Branchenkennern das zweite Halbjahr, auch wenn die Bilanz bisher nicht vorliegt. „Es war ein sehr, sehr gutes Jahr“, sagt Heike Mahmoud vom Berlin Convention Office (BCO), das 2001 von der Tourismusgesellschaft Visit Berlin gegründet worden war.

Neben den Kongresszentren waren auch die Tagungssäle vieler Hotels gut belegt. Und da noch immer neue Hotels in der Stadt eröffnen, wächst die Zahl der Tagungsflächen stetig weiter. Beispielsweise erhält das Waldorf-Astoria-Luxushotel, das im Herbst im Charlottenburger Zoofenster-Hochhaus eröffnen soll, einen für Konferenzen geeigneten Ballsaal und fünf weitere Veranstaltungsräume. Und im neuen Scandic-Hotel am Potsdamer Platz gibt es seit Oktober 20 Säle, von denen der größte 450 Sitze bietet.

Die Messe Berlin meldete soeben ihr „bislang erfolgreichstes Geschäftsjahr“ mit einem Umsatz von 217 Millionen Euro – damit hätten sich die Einnahmen im Laufe der vorigen zehn Jahre mehr als verdoppelt. Neben den Ausstellungen hatte der Kongressbereich daran einen wesentlichen Anteil: Im Internationalen Congress Centrum (ICC), dem Palais am Funkturm und in den Messehallen fanden 530 Tagungen und Shows mit rund 240 000 Teilnehmern statt. 71 Prozent der Konferenzgäste reisten von auswärts an und gaben in Berlin schätzungsweise 125 Millionen Euro aus – davon profitieren in der Regel besonders die Hotellerie und der Einzelhandel. Im Vergleich zu 2009 stiegen die Veranstaltungs- und Teilnehmerzahlen, die Rekordwerte des Jahres 2008 wurden allerdings noch nicht wieder erreicht. Damals hatte es 280 000 Teilnehmer und 623 Tagungen oder Shows gegeben.

Berlins größtes Hotel, das Estrel in Neukölln, ist einer der wichtigsten Mitbewerber. Das Estrel Convention Center steuert dort bereits 70 Prozent des Gesamtumsatzes bei. Eine deutliche Steigerung im Kongressgeschäft erwartet Sprecherin Miranda Meier nach der für Mitte 2012 geplanten Eröffnung des Flughafens BBI in Schönefeld: „Dank der Stadtautobahn ist das Estrel das erste große Hotel auf dem Weg vom Airport in die Stadt, von der Autobahnausfahrt bis zur Hoteltiefgarage sind es gerade einmal vier Minuten.“ 2010 sei die Entwicklung im Convention Center „leicht rückläufig“ gewesen, sagt Meier. Es gab 1850 Veranstaltungen und damit 150 weniger als 2009. Die Teilnehmerzahl sank um 20 000 auf 370 000. Außerdem sind die Veranstalter nicht nur im Estrel sparsamer geworden: Verschiedene Kongresszentren und Hotels berichten zum Beispiel, dass Menüs seltener als früher vier oder fünf Gänge haben. Im Estrel machen Firmenveranstaltungen rund 70 Prozent aller Events aus. Der Höhepunkt des Jahres war dort eine Händlertagung des Autoherstellers Mazda im Dezember, die zehn Tage lang dauerte und mehr als 5000 Fachbesucher aus ganz Europa an die Sonnenallee lockte.

Andere Hotels wie das Intercontinental an der Budapester Straße melden eine steigende Entwicklung im Kongressbereich, haben aber keine aktuellen Zahlen parat. Die mittlerweile 166 Berliner Tagungshotels bieten 53 Prozent aller Veranstaltungsflächen in der Stadt an. Auf dem Tagungsmarkt konkurrieren sie mehr untereinander und mit kleineren Locations als mit den großen Kongresszentren. Letztere bedienen einen speziellen Markt, zu dem die internationalen Medizinerkongresse zählen. Im ICC und den benachbarten Hallen des Messegeländes unter dem Funkturm fanden 2010 zum Beispiel der Welt-Ophthalmologen-Kongress mit 13 000 Augenärzten, der Deutsche Krebskongress mit 12 000 Medizinern oder der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie mit 9000 Teilnehmern statt. Einen „prall gefüllten Veranstaltungskalender“ kündigt die Messe Berlin auch für dieses Jahr an. Die größte Veranstaltung wird der nächste Orthopädenkongress im Oktober, zu dem erneut rund 9000 Spezialisten erwartet werden. Mit je 8000 Besuchern rechnen die Veranstalter des Kongresses der Lebermediziner (International Liver Congress) im März und des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit im Mai.

Im Berliner Congress Centrum (bcc) am Alexanderplatz zeigt sich Geschäftsführer Olaf Köhler zufrieden mit den „stabilen Umsätzen“: Auch er stellt aber ein gewachsenes Kostenbewusstsein der Veranstalter fest: „Alles wird etwas irdischer, es gibt eine neue Schlichtheit.“ Sein Haus habe sich darauf eingestellt, die „Budgets unserer Kunden zu entlasten“. Durch hohe Investitionen in die Haustechnik sei das bcc mehr als früher in der Lage, die meisten Dienstleistungen ohne Fremdfirmen anzubieten. Das führe zu einer „Sicherheit des Preises“, die für viele Kunden sehr wichtig geworden sei.

Im weltweiten Vergleich liegt Berlin seit Jahren auf den vorderen Plätzen. Laut einer Statistik der International Congress and Convention Association (ICCA) steht die Stadt mit rund 130 internationalen Meetings pro Jahr auf Rang vier der führenden Kongressstädte – nach Wien, Barcelona und Paris.

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