Berliner Traditionsstandort : Krone-Mitarbeiter kämpfen um ihre Jobs

Tyco Electronics will den traditionsreichen Industriestandort der ehemaligen Krone AG am Beeskowdamm in Berlin-Zehlendorf schließen. Die Krone-Mitarbeiter kämpfen um ihre Jobs.

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„Guten Tag, ADC Krone ist nun Tyco Electronics.“ Das ist die kurze Ansage am Telefon, bevor man weitergeleitet wird. Bald wird es auch die nicht mehr geben. Tyco Electronics will den traditionsreichen Industriestandort der ehemaligen Krone AG am Beeskowdamm in Berlin-Zehlendorf schließen. Am 31. Juli 2014 soll Schluss sein. Die verbliebenen 230 Beschäftigten verlieren dann ihren Arbeitsplatz. Die Produktion soll ins tschechische Brno verlagert werden. Doch so einfach wollen die Mitarbeiter nicht aufgeben: Die Gewerkschaft IG Metall hat am heutigen Mittwoch zu einer Demonstration gegen die Schließung aufgerufen. Doch Grund zur Hoffnung gibt es nicht.

Die Berliner produzieren Kupferverbindungen für den Telekommunikationsmarkt

Das Unternehmen, das einmal führend in der Anschlusstechnik von Telefonleitungen aus Kupfer war, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1928 von Gustav Krone gegründet, wurde es später von seinem Sohn Klaus Krone geführt. Zu seinen besten Zeiten hatte der Krone-Konzern 33 Töchterunternehmen im Ausland und weltweit 6400 Mitarbeite, 2000 davon in Berlin. 1996 verkaufte Klaus Krone sein Unternehmen, die Krone AG, an Jenoptik. Doch Jenoptik misslang der Ausflug in die Telekommunikationsindustrie und reichte Krone an das US-Unternehmen GenTek weiter. 2004 verkaufte GenTek die Krone-Gruppe an den Netzausrüster ADC Telecommunication. Aus Krone wurde ADC Krone. ADC wiederum wurde 2010 von Tyco Electronics übernommen. Inzwischen heißt das Unternehmen mit amerikanischen Wurzeln und Sitz in Schaffhausen in der Schweiz TE Connectivity.

Kupfer wird immer mehr durch Glasfaser ersetzt

Nicht nur Krone ist durch einen dramatischen Wandel gegangen. Die Eigentümerwechsel waren in der Regel mit Personalabbau und Strategiewechsel verbunden. Auch die Telekommunikationstechnik hat sich in der Zeit stark verändert. Statt Kupfer ist Glasfaser heute die beherrschende Technologie. Doch – so lautet der Vorwurf der Arbeitnehmervertreter – die zwischenzeitlich einmal eingeleitete Neuausrichtung auf die Glasfasertechnik sei wieder abgebrochen worden. So lautet auch das Argument von TE Connectivity: Angesichts des sich beschleunigenden Übergangs zu Glasfaser- und mobile Netzwerken, stehe der Markt vor einem rapiden Preisverfall und wachsendem Wettbewerb. Das führe dazu, dass der Standort Verluste produziere.

Klaus Krone war mit der Unternehmensleitung in USA kurz im Gespräch

Für einen Moment hatte es im Oktober so etwas wie einen Hoffnungsschimmer gegeben: Klaus Krone besuchte den Standort um zu prüfen, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, wieder in sein früheres Unternehmen einzusteigen. Es habe nur ein paar kurze Gespräche gegeben, sagte Krone dem Tagesspiegel. Doch sie seien im beiderseitigen Einvernehmen abgebrochen worden. Die Gewerkschaft hatte das Anliegen Krones allerdings ohnehin mit Skepsis gesehen. Sie räumt dem Unternehmen Krone ohne die Vertriebsstärke eines weltweit agierenden Konzerns keine großen Chancen am Markt ein. Nun rechnen die Mitarbeiter damit, noch vor Jahresende die Kündigung zu bekommen.

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