Wirtschaft : Berliner Unternehmen: Wirtschaftslenker werden pessimistischer

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"Die Zurückhaltung der Touristen aus Japan und den USA ist zu spüren." Edgar van Ommen, Generalbevollmächtigter der Saramartel-Gruppe (Estrel)

"Die Unterfinanzierung des Berliner Haushaltes zwingt uns in ein enges Korsett." Christiane Krajewski, Finanzsenatorin

"Die Unternehmen brauchen Klarheit über den Kurs des Berliner Senats." Eric Schweitzer, Alba-Geschäftsführer

"Der Attentismus der Banken bei der Kreditvergabe bedroht zunehmend das Unternehmenswachstum." Peter Dussmann, Großunternehmer

Der weltweite Konjunktureinbruch hat zum Herbstbeginn auch die Berliner Unternehmen voll erfasst. Dies ergab die gemeinsame halbjährliche Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Tagesspiegel unter ausgewählten Unternehmern in der Bundeshauptstadt. Im Gegensatz zum Frühjahr, als noch rund 60 Prozent der befragten Wirtschaftslenker optimistisch auf die Frage nach ihrer Einschätzung über die künftige Geschäftsentwicklung antworteten, überwog Ende August die Zahl der Pessimisten deutlich.

Ob Baugewerbe, Dienstleistungsbranche oder Touristikunternehmen: Die Vorstände der Berliner Unternehmen äußerten anlässlich des Tagesspiegel-Gesprächskreises am Dienstag-Abend durchgehend Skepsis über Wachstumsaussichten und Gewinnerwartung der kommenden Monate. Insbesondere in der Hotel- und Gastronomiebranche, lange Zeit ein bedeutender Wachstumsmarkt in Berlin, würden die Unternehmen mit verschärftem Wettbewerb und nachlassenden Besucherzahlen rechnen müssen. "Die Zurückhaltung der Touristen aus Amerika und Japan", sagte Edgar van Ommen, seit Anfang September Generalbevollmächtigter der Saramartel-Gruppe (Estrel), "ist deutlich zu spüren".

Doch nicht allein die wirtschaftliche Lage in Deutschland, Europa und den Vereinigten Staaten belastet nach Aussagen der Manager den Wirtschaftsstandort Berlin zur Zeit. Beinahe 100 Prozent der Befragten spürt die Auswirkungen der politischen und Finanz-Situation des Bundeslandes selbst. "Wir brauchen Klarheit über den Kurs des Senates", sagte Alba-Geschäftsführer Eric Schweitzer. Die Finanzsenatorin des rot-grünen Übergangssenats, Christiane Krajewski, warnte die Teilnehmer des Managerpanels "Berlin Future" von Tagesspiegel und DIW allerdings davor, den Einfluss der regionalen Fiskalpolitik auf die Geschäfte der Unternehmen zu überschätzen: "Die Unterfinanzierung des Berliner Haushaltes zwängt die Stadt für lange Zeit in ein enges Korsett", sagte sie. Auch die hiesigen Unternehmer müssten sich stärker von dem Glauben lösen, dass der Senat für einen umfangreichen Auftragsstock sorgen könne. Von jeder Steuermark würden Finanzierungsverpflichtungen in Berlin einen so großen Teil auffressen, dass am Ende nur 27 Pfennig übrig blieben.

Im Zentrum der Sorge der Berliner Führungskräfte stand allerdings die Frage nach den Finanzierungsbedingungen für kleine und große Unternehmen in der Stadt. Nach den Schieflagen der Volksbank und der Bankgesellschaft Berlin beklagten die Unternehmer die überaus große Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Krediten. Nicht nur das Baugewerbe würde darunter leiden, dass Privatpersonen in Berlin nur sehr schwer Baukredite bewilligt bekämen. Auch die Finanzierung von laufenden Geschäften sei komplizierter als noch vor Jahren. "Der Attentismus der Banker bedroht das Unternehmenswachstum", sagte Peter Dussmann, der gerade Finanzierungsgespräche für Investitionen zum Aufbau einer Schulspeisung für rund 130 000 Kinder in China führt.

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