Wirtschaft : Berliner Wasserbetriebe: Ein Unternehmen auf Entdeckungsreise

Bernd Hops

Die Berliner Wasserbetriebe schlagen einen mutigen Weg ein, auf dem allerdings schon größere Unternehmen und auch ihre ehemalige Schwester Bewag nur langsam voran kommen. Sie wollen zum so genannten Multi-Utility-Dienstleister werden. Mit dem Begriff verbinden sich große Ambitionen, die Rundum-Versorgung der Kunden. Aber ist das Geschäft mit dem Wasser so unattraktiv, dass sich die Wasserbetriebe weitere Tätigkeitsfelder erschließen müssen? Immerhin ist die Position viel versprechend: In Berlin bezieht fast jeder sein Wasser von dem Unternehmen. Darüber hinaus wollen die Wasserbetriebe ihre Kunden nun mit Strom, ganzen Kraftwerken oder Telekommunikation versorgen. Am Ende der Neuausrichtung soll ein Unternehmen stehen, dessen Vorteil die große Kundenbasis ist. Es könnte ein Konzern werden, der mit einem großen Pool von Einzelhändlern zusammenarbeitet, eine große Einkaufsfamilie bildet und die Familienmitglieder mit Rabatten glücklich macht. Aber das ist reine Zukunftsmusik. Die Wasserbetriebe haben nicht viel mehr zu bieten als ihre umfangreiche Kundenkartei. Entsprechend teuer ist die Strategie, denn Kompetenzen müssen aufgebaut und Partner gefunden werden. Gleichzeitig expandieren die Wasserbetriebe vor allem in Mittel- und Osteuropa; auch das kostet.

Zwar profitiert das Unternehmen im Energiebereich von der Kompetenz des Anteilseigners RWE. Geht es aber über Wasser und Strom hinaus, dann betreten die Berliner weitgehend unbekanntes Gelände. Und selbst wenn es gelingen sollte, ein umfassendes Dienstleistungspaket zu schnüren, ist der Erfolg keineswegs sicher. Immer mehr Wettbewerber drängen auf die liberalisierten Märkte. Die Wasserbetriebe sollten ihre Multi-Utility-Pläne noch einmal überdenken.

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