Wirtschaft : Berliner Wasserbetriebe: Holding will Strom und Gas verkaufen

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Die Berliner Wasserbetriebe werden sich bis zum Jahresende strategisch neu ausrichten und mittelfristig als breite Dienstleistungsgruppe positionieren. Im Zentrum der Neupositionierung des teilprivatisierten Konzerns steht dabei der Aufbau eines Multi-Utility-Serviceangebotes für die gesamte Bundeshauptstadt und das Berliner Umland.

"Wir greifen jetzt an", benannte Thomas Mecke, Vorstandsvorsitzender der Berlinwasser Holding, am Freitag die Strategie. Schon ab dem kommenden Montag werde man über eine gezielte Marketingkampagne rund 100 000 Berliner Gewerbetreibende und Unternehmen ansprechen und einen Service anbieten, der weit über die Ver- und Entsorgung des Wassers hinaus gehen soll. "Aus einer Hand" wollen die Wasserbetriebe künftig über Strom, Gas, Entsorgung und viele andere Dienstleistungen "alles, was das Leben ausmacht" verkaufen, kündigte Mecke an. Spätestens im zweiten Quartal 2001 sollen die Angebote auch den Berliner Privathaushalten zur Verfügung stehen.

Das Ziel der Wasserbetriebe: In zehn Jahren sollen 12 Prozent der Berliner Haushalte und Unternehmer Wasser, Strom, Gas, Wärme und mehr konzentriert von den Wasserbetrieben beziehen. Allein im Strommarkt strebe man 15 Prozent, im Abfallbereich acht Prozent des Hauptstadtmarktes an, sagte Mecke.

Wie man die Kunden gewinnen will? Zuerst verspricht Mecke, dass man die Preise der einzelnen Medienanbieter unterbieten und damit Anreize für die Kunden schaffen will. Darüber hinaus verhandeln die Wasserbetriebe auch über "kiezbezogene" Rabattsysteme.

Das heißt, wer Wasser, Strom, Wärme und Gas bei den Wasserbetrieben kauft, erhält eine spezielle Chipkarte, die ihm Rabatte zum Beispiel von Supermärkten und Buchhändlern in der Umgebung sichern.

Bei der Auswahl der Anbieter der einzelnen Medien seien die Wasserbetriebe "vollkommen unabhängig", sagte Mecke. Natürlich werden man zuerst den Strom des Teileigentümers RWE anbieten. Sollten sich allerdings günstigere Partnerschaften ergeben, werde man diese nutzen. Erste Gaslieferungen versprach Mecke erst für 2001. Die Liberalisierung des deutschen Gasmarktes sei völlig fehl geschlagen und die Wasserbetriebe hätten kein einziges Wettbewerbsangebot von Gasunternehmen erhalten. Mit dem Berliner Gasversorger Gasag werde man voraussichtlich keine Geschäfte machen, da "die Gasag auf einem zu hohen Ross sitzt", kritisierte Mecke das Unternehmen. Kernstück der Umstrukturierung der Holding ist die Zusammenfassung der 52 Tochtergesellschaften in vier Geschäftsfeldern. Ziel seien die Steigerung des Wertbeitrages der Geschäftsfelder, nachhaltig höhere Kapitalrenditen und neue Arbeitsplätze. Die Neustrukturierung werde voraussichtlich im 1. Quartal 2001 abgeschlossen sein. Die für den Geschäftsaufbau erforderliche Finanzierung werde aus Eigenmitteln und nicht durch Quersubventionierung der eigentlichen Wasserbetriebe gedeckt.

Strategisch wollen sich die Wasserbetriebe zuerst an Wohnungsbaugesellschaften, Hotels und große Unternehmen in Berlin wenden, Mit Tengelmann seien die Gespräche bereits weit fortgeschritten. Später will man sich auch als Dienstleister für Großprojekte profilieren. So werde man ein Gesamtangebot für die Ver- und Entsorgung des geplanten Großflughafens in Berlin-Schönefeld vorlegen, kündigte Mecke an.

Das Investoren-Konsortium aus RWE, Vivendi und Allianz hat sich 1999 bei der Übernahme des Anteils des Landes Berlin von 49,9 Prozent verpflichtet, die Wasserpreise bis Ende 2003 nicht anzuheben und betriebsbedingte Kündigungen auf 15 Jahre ausgeschlossen.

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