Wirtschaft : Berliner Wasserbetriebe vor dem Verkauf?

Gerüchteküche brodelt / Privatisierung könnte weitere 3 Milliarden bringen

BERLIN (dpa).Die Tinte unter dem Milliardenvertrag über den Verkauf des Stromkonzerns Bewag an ein deutsch-amerikanisches Konsortium ist noch nicht trocken, da wird schon um andere Berliner Unternehmen gestritten.Bereits länger auf der Privatisierungsliste stehen die Berliner Wasserbetriebe (BWB), auch wenn sie offiziell noch nicht zum Verkaufskandidaten gekürt wurden.Doch längst haben internationale Konzerne und deutsche Stromriesen ein Auge auf das lukrative Unternehmen geworfen. Eine Privatisierung der 100prozentig landeseigenen Wasserbetriebe gilt als sicher.Es wäre eine der weltweit größten Privatisierungen, nachdem jüngst Metropolen wie Sydney, Buenos Aires und Jakarta ihr Wassermanagement in private Hände gegeben haben.Die BWB mit 6700 Beschäftigten versorgen rund vier Millionen Menschen sowie die Wirtschaft des Berliner Ballungsraums mit Wasser und entsorgen das Abwasser.1996 erwirtschafteten sie etwas über zwei Mrd.DM Umsatz.Trotz der gestiegenen Abgabenlast an das Land hat sich der Gewinn 1996 verbessert (51 Mill.DM). Offen ist nur, ob über einen Börsengang, einen mehrheitlichen Verkauf, ein Kooperations- oder ein Konzessionsmodell privatisiert wird.In der Berliner Gerüchteküche brodelt es schon: Das erste Angebot soll auf dem Tisch liegen und die Wasserbetriebe seien sechs Mrd.DM wert.Viel zu hoch sagen Experten: Dem hohen Anlagevermögen und Eigenkapital stünden Kreditbelastungen, ein derzeit geringes Ertragspotential sowie hohe Landesabgaben gegenüber. Das erste Angebot soll drei Mrd.DM betragen und von Eurawasser (Berlin) kommen, einem Gemeinschaftsunternehmen des französischen Konzerns Lyonnaise des Eaux und Thyssen."Unsinn", sagt Eurawasser-Chef Michael Beckereit."Wir haben kein offizielles Angebot abgegeben." Stünden die Wasserbetriebe aber zum Verkauf, würde Eurawasser einen Einstieg mit Nachdruck betreiben.Berlin wäre zentraler Startpunkt für das Osteuropa-Geschäft. Berlins Wirtschaftssenator und BWB-Aufsichtsratschef Elmar Pieroth macht sich für einen Verkauf über die Börse stark.Im November sagte er, Berlin müsse das Unternehmen veräußern, um sofort zwei Mrd.DM einzustreichen.Ein Börsengang lockt vor allem Finanz- und Versicherungsgesellschaften.Ein Verkauf der Anteile gilt angesichts der "Tafelsilber"-Diskussion aber als schwer durchsetzbar.Eine Umwandlung in eine AG dauert, viele BWB-Beschäftigte könnten zudem auf ihr Rückkehrrecht in den öffentlichen Dienst pochen.Nach einer Roland Berger-Studie soll ein Börsengang schon im Sommer 1998 machbar sein. Zur Diskussion steht auch ein Konzessionsmodell.Eurawasser kam damit in Rostock zum Zuge, der ersten größeren Stadt in Deutschland, die sich für private Betreiber entschieden hat.Dabei bleibt die Stadt Eigentümer, der Wasser/Abwasserpreis ist garantiert, das Investitionsrisiko trägt der private Betreiber.Mit einer Einmalzahlung der Konzessionsabgabe würden sofort Milliarden fließen, heißt es.Gebühren für die Grundwasserentnahme sowie die Abwasserabgabe blieben dem Land erhalten.1996 flossen aus den Wasserbetrieben einschließlich verzinstem Eigenkapital rund 350 Mill.DM in die Landeskassen.

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