Wirtschaft : Berliner Wettlauf

In der Hauptstadt sinkt die Arbeitslosigkeit – doch in jedem anderen Bundesland ist sie niedriger.

Simon Frost (mit rtr

Berlin - Die Bundeshauptstadt läuft bei der Arbeitslosigkeit weiter hinterher. Die Arbeitslosenquote lag im Mai mit 11,8 Prozent um 0,5 Prozentpunkte unter der des April und um 0,4 Punkte unter der des Vorjahresmonats. Prozentual gesehen fiel der Rückgang in Berlin damit zwar etwas stärker aus als im Bundesdurchschnitt. Die Quote sank deutschlandweit um 0,3 Punkte. Mit 6,8 Prozent liegt sie aber deutlich unter der Berliner. Mit 11,8 Prozent bleibt die Hauptstadt im Ländervergleich Schlusslicht hinter Mecklenburg-Vorpommern (11,4 Prozent).

Nach einer Stagnation im April ging die Zahl der Erwerbslosen in Berlin um 3249 auf 212 873 zurück, wie die regionale Arbeitsagentur am Mittwoch mitteilte. Verglichen mit dem Vorjahresmonat fiel der Rückgang mit 2983 etwas geringer aus. Dennoch gestaltet sich der übliche Frühjahrsaufschwung eher zäh, wie Dieter Wagon, Chef der Regionaldirektion für Berlin und Brandenburg zugibt. „Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fällt zwar geringer aus als sonst, dennoch hält die Dynamik am Berliner Arbeitsmarkt weiter an.“ Knapp 14 000 Menschen hätten sich im Mai arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig hätten mehr als 17 000 Berliner eine Beschäftigung gefunden.

Die Berliner Wirtschaft teilt die Einschätzung der Arbeitsagentur. Der Jobmarkt in der Hauptstadt werde sich in den kommenden Monaten „positiv entwickeln, wenn auch weniger dynamisch als noch im Vorjahr“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder vor wenigen Tagen bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage. Noch fehlten zwar „glaubwürdige Wachstumssignale“. Bereits im Herbst werde die Konjunktur jedoch an Tempo zulegen, erwartet die Industrie- und Handelskammer. Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) forderte einen gezielten Einsatz flexibler Arbeitsmarktinstrumente, wie etwa Zeitarbeit.

Erstmals seit Dezember waren im ganzen Land weniger als drei Millionen Menschen ohne Job. Im Mai ging die Zahl im Vergleich zum Vormonat um 83 000 auf 2,937 Millionen zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. „Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich insgesamt weiterhin in einer guten Grundverfassung und entwickelt sich solide in dem schwierigen konjunkturellen Umfeld“, kommentierte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise die Entwicklung. Auch er räumte ein, dass die Frühjahrsbelebung in diesem Jahr schwächer ausgefallen sei als in den Vorjahren. Auf Jahressicht nahm die Zahl der Jobsucher in Deutschland um 82 000 zu. Die Arbeitslosenquote hatte vor einem Jahr noch 6,7 Prozent betragen, also 0,1 Punkte weniger als jetzt.

Volkswirte zeigten sich überrascht von den aktuellen Zahlen. Christian Schulz von der Berenberg-Bank sprach von einem „vorübergehenden Rückschlag“. Andere sehen darin gar ein Signal für die weitere Entwicklung. „Die leichte Aufwärtstendenz bei der Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten wohl anhalten“, sagte Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. „Die konjunkturelle Eintrübung im Winterquartal und im Frühjahr hinterlässt deutlichere Spuren als gedacht.“ Im letzten Vierteljahr 2012 war die Wirtschaftsleistung geschrumpft, im ersten Quartal dieses Jahres nur minimal gewachsen. Diese konjunkturellen Effekte erreichen den Arbeitsmarkt stets mit Verzögerung. Simon Frost (mit rtr)

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