Berliner Wirtschaft : Der Faktor Zuversicht

Gesine Schwan sieht kreatives Potenzial in Berlin. Mit ihren Ansichten stößt sie bei Managern auf offene Ohren.

Miriam Schröder
Schwan
Gesine Schwan wirbt für mehr Optimismus. -Foto: Mike Wolff

BerlinGesine Schwan sieht allen Grund, für die wirtschaftliche Zukunft in Berlin optimistisch zu sein. Berlin besäße ein großes kreatives Potenzial, sagte die Kandidatin der SPD für das Amt des Bundespräsidenten am Dienstagabend vor Vertretern der Berliner Wirtschaft. „Sie dürfen nicht nur auf die Risiken schauen“, sagte Schwan. „Der Faktor Zuversicht macht 50 Prozent aus.“

Anlass für die Debatte war das Managerpanel, eine Befragung von 54 ausgewählten Entscheidungsträgern aus Wissenschaft und Wirtschaft, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zweimal jährlich im Auftrag des Tagesspiegels und der Berliner Volksbank durchführt. In diesem Frühjahr war die Stimmung unter den Teilnehmern recht verhalten: Die Mehrheit glaubt, dass die wirtschaftliche Lage stagnieren wird, nur wenige erwarten eine Verbesserung. Im vergangenen Jahr hatten die Panel-Teilnehmer noch mehrheitlich mit einer positiven Entwicklung gerechnet. Ganz anders beurteilen die Manager hingegen ihre eigene Lage: Die Hälfte von ihnen glaubt, dass sich die eigene Branche besser entwickeln wird als der Durchschnitt. Gefragt, welchem Bezirk sie das größte Entwicklungspotenzial zutrauen, gaben die meisten den Standort Mitte an, vor allem für Ansiedlungen im Bereich Dienstleistungen. „Da liegt Berlin sehr gut im Rennen“, sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann. Viele Manager aber fürchteten den kommenden Fachkräftemangel.

Für Universitätspräsidentin Gesine Schwan war es die passende Vorlage, um über ihr Hauptanliegen, die Bildung, zu sprechen. Die Forschung brauche mehr Unterstützung aus der Wirtschaft, müsse aber ergebnisunabhängig arbeiten dürfen. „Bildung soll um ihrer selbst willen geschehen, sie darf nicht instrumentalisiert werden.“ Nur so könne sich kreatives Potenzial entfalten. Zudem müsse der interkulturelle Austausch an den Universitäten stärker gefördert werden. „Ich glaube, dass diese Art von Bildung hilft, Ihre Standortprobleme zu überwinden“, sagte Schwan.

Damit stieß sie bei den Managern auf offene Ohren. „Das maßgebliche Thema ist das Bildungsthema, vor allem in der Schule“, sagte Eric Schweitzer, Alba-Chef und Präsident der Industrie- und Handelskammer. Volksbank-Vorstand Stefan Gerdsmeier forderte: „Trotz der knappen Kassen müssen wir die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Berlins attraktiver machen.“ Miriam Schröder

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