Berliner Wirtschaft ganz nah (5) : Die Kunst bringt der Hauptstadt Milliarden

173000 Menschen arbeiten in der Berliner Kulturszene - sie ist damit einer der wichtigsten Arbeitgeber.

Alfons Frese
Die schönen Künste sind es nicht allein, zur Kulturwirtschaft in Berlin gehört ein Dutzend sogenannter Teilmärkte.
Die schönen Künste sind es nicht allein, zur Kulturwirtschaft in Berlin gehört ein Dutzend sogenannter Teilmärkte.Foto: Fotolia

Die größte Branche

Kultur ist ja irgendwie alles. Vor allem für den Kulturstaatssekretär Tim Renner. Indem er Informations- und Kommunikationsunternehmen mit Bühnen und Museen, Filmwirtschaft, Architektur, Werbeagenturen und dem Kunstmarkt zusammenfasst und dazu noch touristische Bereiche addiert, kommt er auf sagenhafte 400 000 Arbeitsplätze. „Die größte produzierende Branche“, sagt Renner. Ganz oft ist der Staat dabei. Aus dem Bundeshaushalt kommen im Jahr rund 400 Millionen Euro der Hauptstadtkultur zugute, etwa dem Jüdischen Museum, der Berlinale und der Akademie der Künste. An der Sanierung und Modernisierung der Staatsoper beteiligt sich der Bund mit 200 Millionen Euro. Der Kulturhaushalt des Landes Berlin umfasst in diesem Jahr rund 380 Millionen Euro. Die Mittel fließen ganz überwiegend in die Opernhäuser und auf die Theaterbühnen.

Bühnenzauber

Im Jahr 2012, aktuellere Daten hat Renners Verwaltung nicht, wurden in der Stadt 44 Bühnen bespielt, fast 2,9 Millionen Besucher erfreuten sich der Schauspiele, Opern sowie Kinder- und Jugendtheater. Mit der Leinwand können die Bühnen nicht mithalten: 9,7 Millionen Tickets verkauften die 261 Berliner Kinos. Noch deutlich mehr Leute zog es indes auf die Museumsinsel oder überhaupt in die gut 130 Berliner Museen: 15,8 Millionen. Ein Großteil davon werden Touristen gewesen sein: Renner zufolge kommen fast drei Viertel der Berlinbesucher wegen des kulturellen Angebots in die Stadt. „Berlin ist ein kulturelles Versprechen“, sagt Renner. Und das zieht die Menschen an.

Zahlensalat

Ein Dutzend sogenannte Teilmärkte bildet das weite Feld der Kulturwirtschaft. Dazu gehört die Designbranche mit mehr als 4000 Unternehmen und 11 300 Beschäftigten, der Kunstmarkt mit 2400 Firmen und 5700 Arbeitnehmern und die Filmwirtschaft (1800 Firmen, gut 10 000 Beschäftigte). Über die Milliardenschwelle kommen beim Umsatz nur die Software-/Gamesindustrie, der Pressemarkt und die Rundfunkwirtschaft.

Stärken und Schwächen

„Nach einer langen Phase der Zuwanderung von Künstlern steht der Beginn der Abwanderung unmittelbar bevor; wachsende Produktions- und Lebenshaltungskosten stehen konstanten bzw. real sinkenden Fördermöglichkeiten entgegen“, heißt es in einer IHK-Analyse. Klar, die kreative Vielfalt – gekennzeichnet durch Freiräume, Internationalität, Zuzug ausländischer Mitarbeiter – ist noch da. Renner: „Erst kommen die Clubs, dann die Galerien und schließlich die Immobilienentwickler.“ Und die vertreiben die Künstler.

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