Berliner Wirtschaft : Immer mehr Menschen haben Arbeit

Die Zahl der Erwerbstätigen ist im dritten Quartal erneut gestiegen - so stark wie sonst nirgends. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer und IHK erwarten eine weitere dynamische Entwicklung.

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Gasturbinen aus Berlin. Siemens ist der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt. Insgesamt beschäftigt die Industrie wieder etwa 111 000 Menschen.
Gasturbinen aus Berlin. Siemens ist der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt. Insgesamt beschäftigt die Industrie wieder etwa...Foto: Imago

In Berlin finden immer mehr Menschen Arbeit. Die Zahl der Erwerbstätigen in der Hauptstadt ist im dritten Quartal dieses Jahres um 30 300 auf 1 792 300 Personen gestiegen. Damit liegt sie 1,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Das berichtete das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Donnerstag. Damit behauptet Berlin weiterhin den Spitzenplatz, in keinem Bundesland ist die Zahl der Erwerbstätigen stärker gestiegen. Seit Beginn des Jahres 2012 hält diese Entwicklung an. Im Bundesdurchschnitt lag der Zuwachs an Erwerbstätigen im dritten Quartal nur bei 0,6 Prozent. Brandenburg liegt mit einem Anstieg von 0,1 Prozent weit darunter.

Grafik: Anna Schmidt

Allerdings hat sich die Dynamik auch in Berlin etwas abgeschwächt: Im ersten Quartal stieg die Zahl der Menschen in Arbeit nämlich noch um 2,2 Prozent an. Dennoch ist Berlins Wirtschaftssenatorin zuversichtlich, dass die Zahl der Jobs auch im kommenden Jahr weiter wachsen wird. „Ich bin optimistisch, dass Berlins Wirtschaft auf robustem Wachstumskurs bleibt“, sagte Cornelia Yzer (CDU). Die Arbeitskräftenachfrage bewege sich auf einem hohen Niveau und auch die Unternehmen signalisierten insgesamt einen weiteren Zuwachs an Arbeitsplätzen. „Dies festigt zugleich den wirtschaftlichen Aufschwung in Berlin“, sagte Yzer.

So sieht das auch IHK-Präsident Eric Schweitzer. Nachdem die Berliner Wirtschaft im ersten Halbjahr 2013 bereits um 0,5 Prozent gewachsen ist, während sie in ganz Deutschland um 0,3 Prozent schrumpfte, erwartet er in der zweiten Jahreshälfte in Berlin einen weiteren Zuwachs zwischen 0,5 und einem Prozent. Und: „Wir werden auch 2014 in Berlin wieder besser sein als der Bund“, sagte Schweitzer vor Journalisten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, dessen Präsident Schweitzer ebenfalls ist, erwarte für Gesamtdeutschland ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent und in Berlin werde es noch mehr sein.

Dennoch gibt es in Berlin immer noch viele Menschen ohne Job: Im November war die Arbeitslosenquote in der Hauptstadt mit elf Prozent immer noch die zweithöchste in ganz Deutschland – nach Mecklenburg-Vorpommern mit 11,4 Prozent. In Brandenburg lag die Quote bei 9,2 Prozent, im Bundesdurchschnitt bei 6,5. Dennoch erwartet Schweitzer auch hier eine Besserung. Allerdings habe der Berliner Arbeitsmarkt wegen der hohen Zahl an Langzeitarbeitslosen ein strukturelles Problem, das sich nicht so einfach beheben lasse: „Wir werden keine bayrischen Verhältnisse bekommen“, prognostizierte Schweitzer. In Bayern und auch Baden-Württemberg lag die Arbeitslosenquote zuletzt bei 3,5 beziehungsweise 3,8 Prozent und damit nahe an der Vollbeschäftigung.

Die Dynamik der Berliner Wirtschaft ist jedoch immer noch hoch: Alle zwölf Minuten wird ein neues Unternehmen gegründet und alle 19 Stunden ein Start-up, also ein wachstumsstarkes, technologieorientiertes Unternehmen mit einem hohen Grad an Innovation, wie die Unternehmensberatung McKinsey jüngst ermittelte. Immerhin 45 000 Arbeitsplätze in der digitalen Wirtschaft gebe es bereits, sagte Schweitzer. „Nur über Innovation, nur über den Kopf werden wir stark sein.“ So sei es eine strategisch wichtige und richtige Entscheidung gewesen, sich in Berlin stark auf den Wissenschaftsbereich zu fokussieren. In der Region Berlin-Brandenburg arbeiteten inzwischen annähernd 300 000 Menschen in der Gesundheitswirtschaft, deren Herz die Charité sei. Nachholbedarf sieht Schweitzer allerdings in der Industriepolitik. Hier komme Berlin inzwischen zwar auch wieder auf rund 111 000 Arbeitsplätze, nachdem die Zahl einmal auf weniger als 100 000 gesunken sei. Dennoch wünscht er sich eine konsequentere Unterstützung durch Wirtschaftssenatorin Yzer. Am Montag trifft sich der Steuerungskreis Industriepolitik, da kann er sein Anliegen vortragen.

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