Wirtschaft : Berliner Wirtschaft kommt in Schwung

Unternehmen fragen deutlich mehr Fördermittel nach – zu neuen Arbeitsplätzen führt das bislang nicht

Stefan Kaiser

Berlin – In der Berliner Wirtschaft mehren sich die Zeichen für einen Aufschwung. Die Unternehmen fragen nach Angaben der Investitionsbank Berlin (IBB) wieder vermehrt Fördermittel nach. Nachdem die Zahl der Investitionsförderanträge schon in den letzten drei Monaten des Jahres 2005 deutlich gestiegen war, legte sie in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres noch einmal um zehn Prozent zu, sagte Sprecher Uwe Sachs dem Tagesspiegel. Das sei sehr ungewöhnlich, weil die Anträge normalerweise erst zum Jahresende zunähmen. „Nach jahrelanger Zurückhaltung investieren die Berliner Unternehmen jetzt offenbar wieder mehr“, sagte Dieter Puchta, Vorstandsvorsitzender der IBB, bei der Vorlage der Jahresbilanz.

„Die Zunahme der Förderanträge ist ein gutes Zeichen“, sagte Hartmann Kleiner, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB), dem Tagesspiegel. „Berlin ist besser gestartet als in den vergangenen beiden Jahren.“

Auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, die über die IBB Fördermittel vergibt, sieht Anzeichen für eine Konjunkturbelebung: „Wir können schon jetzt abschätzen, dass die Fördermittel in diesem Jahr anders als in den Vorjahren voll ausgeschöpft werden“, sagte Sprecher Christoph Lang dem Tagesspiegel. Insgesamt erwartet der Senat für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent, nachdem das Berliner Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 0,2 Prozent geschrumpft war. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte für den Tagesspiegel im April ein Wachstum von 0,4 Prozent für 2006 vorhergesagt. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin ist optimistischer und rechnet wie der Senat mit einem Prozent. Handel und Dienstleistungen hätten sich positiv entwickelt, sagte IHK-Sprecher Holger Lunau. „Auch der Industrie geht es trotz der schlechten Nachrichten ganz gut.“ Nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung stiegen die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe in den ersten drei Monaten um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Aufträge legten um acht Prozent zu. Der krisengeplagte Einzelhandel konnte sich in Berlin über ein Umsatzplus von zwei Prozent zwischen Januar und März freuen – deutlich mehr als im Bund.

Ob der Aufschwung die Arbeitslosigkeit nachhaltig senken kann, ist noch offen. Zwar waren in Berlin im April mit 306 000 Menschen rund 27 000 weniger arbeitslos als im Vorjahr. Die Unternehmen bleiben aber skeptisch: „Ich sehe noch keine Anzeichen dafür, dass wir die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten deutlich erhöhen können“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Kleiner.

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