Abwrackprämie : Autohäuser warten auf Geld vom Staat

Die Abwrackprämie wirkt: Um 30 Prozent liegen die Zulassungszahlen für Neuwagen im Juli über denen des Vorjahresmonats. Das tröstet zwar die Autohersteller. Doch die Verkäufer sind sauer - denn die Zahlungsmoral des zuständigen Bundesamts lässt offenbar zu wünschen übrig.

Ferda Ataman

Die Berliner Kfz-Innung erwartet in den kommenden Wochen eine steigende Zahl von Anrufen durch Autohändler, die sich bei ihnen über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beschweren. Einige warten seit Monaten auf die von ihnen vorfinanzierte Abwrackprämie von 2500 Euro pro verkauftes Gefährt, die sie nun vom Staat zurückhaben wollen. Doch die Bearbeitung der Anträge und die Auszahlung des Geldgeschenks durch die zuständige Bafa verzögert sich, lange Wartezeiten sind programmiert.

Für manche private Autohäuser bedeutet das die Gefahr einer Insolvenz. Sie haben mehrere zehn- bis hunderttausend Euro Schulden gemacht, um ihren Service zu steigern. Trotz Warnungen des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) haben Händler mit eigenen Krediten dem Kunden die Abwrackprämie vorfinanziert. Sie haben die 2500 Euro vom Kaufpreis abgezogen und ihre Erstattung beim Bafa beantragt. So wie Fiat-Händler Gaetano Foti vom Autohaus Foti.

Rund 300 Wagen hat der Berliner vorfinanziert, insgesamt eine Dreiviertelmillion Euro. Einige Anträge an die Bafa sind noch nicht einmal raus. Er kannte die Warnungen des Verbands. „Aber wir müssen die Prämie vorschießen, sonst haben wir überhaupt keine Chance gegen die Niederlassungen der Automobilhersteller“, erklärt Foti. Die haben Abwrackprämien von Anfang an vom Kaufpreis abgezogen. Den Vorschuss wickeln sie über die Hausbank ab, zinsfrei. Eigenständige Autohäuser müssen sich dagegen teure Kredite mit Zinsen kaufen, um konkurrieren zu können.

Im Fall von Foti sei die aufklaffende Kreditsumme keine Bedrohung. Der Autohändler könne die Wartezeit problemlos überbrücken. „Es ist trotzdem ärgerlich“, sagt der Unternehmer, „es kostet uns Geld“. Die Kosten für die Zinsen gingen schließlich auf seine Kappe.

„Wir wissen, dass es einige Autohäuser gibt, die durchaus Probleme damit haben, die Wartezeiten für das Geld von der Bafa zu überbrücken“, sagt Anselm Lotz, Sprecher der Kfz-Innung Berlin. Noch würden die meisten versuchen, mit den Herstellern über Zahlungskulanz zu verhandeln. Doch Lotz rechnet mit drohenden Insolvenzverfahren. Der ZDK-Landesverband bereite sich schon auf die Situation vor. 

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