Air Berlin : Neue Vorwürfe

Die Fluggesellschaft Air Berlin soll Außenstehende frühzeitig über dba-Kauf informiert haben.

Air Berlin
Air Berlin : Auch der Konzernchef Joachim Hunold steht unter Verdacht.Foto: ddp

Berlin Neben dem Verdacht auf Insiderhandel steht die Fluglinie Air Berlin offenbar auch wegen eines möglichen Verstoßes gegen Veröffentlichungspflichten im Visier der Behörden. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Samstag vorab berichtete, prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) seit längerem, ob die Air-Berlin- Chefs außenstehende Aktionäre rechtzeitig und umfassend über den angepeilten Erwerb des Konkurrenten dba im Frühsommer 2006 informiert haben. Die Übernahme gab das Unternehmen erst mit einer Ad-hoc-Meldung am 17. August 2006 und damit einen Monat nach Abschluss einer vorläufigen Absichtserklärung zum Kauf der dba bekannt. Ein Sprecher von Air Berlin wies den Vorwurf zurück.

Erst am Dienstag war die Aktie des Billigfliegers zeitweise um fast acht Prozent abgestürzt, nachdem bekannt geworden war, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen möglichen Insiderhandels ermittelt und Büros und Privathäuser unter anderem in Berlin und Düsseldorf durchsuchte. Beschuldigt sind neben Firmenchef Joachim Hunold bisher Aufsichtsratschef Jürgen Zurnieden und drei weitere Air-Berlin-Topmanager sowie der Geschäftsführer eines bislang nicht bekannten Unternehmens aus Stuttgart.

Eine BaFin-Sprecherin hatte gegenüber dieser Zeitung jedoch bereits am Dienstag angedeutet, dass der Kreis der Beschuldigten noch größer werden könnte. Zu den möglichen Insidern gehörten eventuell nicht nur Mitglieder der Konzernführung, so die Sprecherin.

Die Beschuldigten sollen Insiderwissen über die geplante dba-Übernahme zum Kauf von Air-Berlin-Aktien im Gesamtvolumen von 1,5 Millionen Euro genutzt haben. Davon entfällt laut Staatsanwaltschaft mit 1,47 Millionen Euro der Großteil auf Hunold und Zurnieden.

Hunold und seine Kollegen bestreiten allerdings, sich gezielt mit Aktien eingedeckt zu haben. Ihr Hauptargument: Der Deal habe bis zuletzt auf der Kippe gestanden. Daher hätte die Ad-hoc-Meldung gar nicht vor dem 17. August erfolgen können. Wie der Tagesspiegel am Sonntag aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, wurde erst in der Nacht auf den 17. August ein Vertrag der dba mit Boeing über den Erwerb neuer Flugzeuge bekannt. Ein solcher Großauftrag hätte den Kreisen zufolge noch zu einem Rückzug Air Berlins führen können, falls die dba damit zu teuer geworden wäre. Erst in dieser Nacht sei die Übernahme konkretisiert und auch ein Kaufpreis festgelegt worden. Diese Vereinbarung sei ad-hoc-pflichtig gewesen und genau so behandelt worden, so die Kreise. In der Absichtserklärung einen Monat zuvor sei dergleichen dagegen noch nicht enthalten gewesen.

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