Ansprechpartner für Unternehmer : Einer für alle

Ein zentraler Ansprechpartner soll Unternehmen den Weg durch den Verwaltungsdschungel weisen - einheimischen und solchen, die sich in Berlin ansiedeln wollen.

Cay Dobberke
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Gründerberatung. Die 24-jährige Friseurmeisterin Claudia Arndt (links) besuchte am Dienstag das „Startercenter“ der...

Bis zu 15 Behörden muss ein Unternehmer kontaktieren, bevor er Dienstleistungen anbieten darf. Vereinfachen soll dies ab Januar die EU-Dienstleistungsrichtlinie – häufig genannte Beispiele sind „der Friseur aus Dublin“, ein Gastronom oder ein selbstständiger Handwerker aus einem Nachbarland, der nach Deutschland ziehen will. Berlin allerdings geht deutlich weiter: Die Wirtschaftsverwaltung „will mehr als die EU“, sagt Hartmut Riemke vom Referat für Verwaltungsmodernisierung. Hier werde der „einheitliche Ansprechpartner“ auch einheimischen Firmen aller Art helfen.

Die Richtlinie setzt Behörden stärker unter Druck: Wird über einen Antrag nicht innerhalb einer bestimmten Frist entschieden, gilt die Genehmigung automatisch als erteilt. Dies betrifft nicht alle Genehmigungen, aber zum Beispiel Reisegewerbekarten und Maklererlaubnisse; hier beträgt die Frist drei Monate.

Eigentlich hat Berlin bereits eine zentrale Anlaufstelle – die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin-Partner ist die „One Stop Agency“ für in- und ausländische Investoren. Hinzu kommen Beratungsstellen für Berliner Existenzgründer wie das „Startercenter“ der Handwerkskammer. Aus Sicht der Wirtschaftsverwaltung sind die Aufgaben aber „klar abgegrenzt“ und ergänzen sich gut. Berlin-Partner arbeite „proaktiv“ in der Firmenansiedlung und -betreuung, sagt Verwaltungssprecher Stephan Schulz. Dagegen solle der einheitliche Ansprechpartner auf Wünsche und Beschwerden reagieren und „insbesondere Verwaltungsverfahren koordinieren“. Wer ein Grundstück sucht, ist eher bei Berlin-Partner oder dem Liegenschaftsfonds an der richtigen Adresse. Allerdings wird man sich auch an die neue Anlaufstelle wenden können, die das Anliegen dann weiterleitet.

Lichtenbergs Wirtschaftsstadtrat Andreas Prüfer (Linke) erhofft sich einen „Durchbruch“ beim Bürokratieabbau. Bisher böten die Wirtschaftsämter nur „E-Government für Arme“, kritisierte er jetzt bei einer Podiumsdiskussion. So gebe es zwar Formulare für die Gewerbeanmeldung im Internet, doch müsse man diese ausdrucken, ausfüllen und schließlich zurückfaxen.

Die Wirtschaftsverwaltung plant eine interaktive Webseite, die von der Telekom-Tochter T-Systems entwickelt wird. Wie genau alles funktionieren wird, zeigte eine erste Präsentation bei der Mittelstandsmesse b2d im Velodrom leider noch nicht – zu sehen war nur ein einziges Beispielbild. Die Eingaben laden ab 2010 jedenfalls beim einheitlichen Ansprechpartner, bei dem es sich genau genommen um ein Team aus acht Mitarbeitern handeln wird – darunter vier Festangestellte. Sie sollen selbst keine Genehmigungen erteilen, diese aber auf den Weg bringen und bei Problemen vermitteln.

Einen „echten Mehrwert“ sieht darin Daniel Fiebig, Experte für Wirtschaftspolitik und Industrie bei der IHK Berlin. „Man muss nicht mehr aufs Amt“, vieles lasse sich künftig einfach online erledigen. Nötig sei aber auch ein „Mentalitätswechsel“ in der Verwaltung: „Alles, was Jobs schafft, muss Priorität haben.“ So sieht es auch Arne Lingott, Fachmann für Wirtschaftspolitik bei der Handwerkskammer Berlin: „Im Zweifel muss für Unternehmen entschieden werden“. Die Bürokratie belaste besonders kleinere Betriebe.

Nach Einschätzung von Berlin-Partner sind die meisten Behörden schon besser als ihr Ruf. Karin Teichmann, Leiterin der Investoren-Anlaufstelle „Business Location Center“, zitiert Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) mit den Worten, es gebe vor allem eine „gefühlte Bürokratie“. Das Business Location Center besteht aus einem Internetportal und einem „Showroom“ im Ludwig-Erhard-Haus an der Fasanenstraße. Es war im Vorjahr an allen 128 Firmenansiedlungen durch Berlin-Partner beteiligt. Jetzt weitet die Gesellschaft ihr Angebot aus und kümmert sich nicht mehr nur um auswärtige Firmen. 24 neue Mitarbeiter werden eingestellt, 14 von ihnen sollen für die Bezirke zuständig sein. Auch kleine Betriebe können sich bald an diesen Unternehmensservice wenden.

Die übrigen Mitarbeiter, von denen mehrere schon seit Oktober tätig sind, betreuen zentral 400 strategisch wichtige Unternehmen in der Stadt. In vollem Umfang startet diese Bestandspflege zum Jahreswechsel, ansatzweise hat sie bereits begonnen. Als Beispiel nennt Berlin-Partner–Sprecher Christoph Lang das Callcenter des insolventen Versandhauses Quelle: Gemeinsam mit der Arbeitsagentur bemühe man sich, neue Jobs für Mitarbeiter der „Quelle Communication Center Berlin GmbH“ zu finden.

Nicht übernehmen will Berlin-Partner die Existenzgründerberatung. Diese soll Sache der IHK, der Handelskammer und der Investitionsbank bleiben. Auch der einheitliche Ansprechpartner bei der Senatsverwaltung soll Gründer nicht beim Businessplan oder der Bewerbung um Fördergelder unterstützen. Doch auf der künftigen Webseite dürften die passenden Ansprechpartner nur einen Mausklick entfernt zu finden sein.

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